Wohnen

Ich habe am 6.05.2013 an einer philosophischen Diskussion zum Thema “Wohnen” mit dem Referenten Markus Melchers teilgenommen.
Hier ist mein persönliches Protokoll:
Die Diskussionsrunde wurde mit folgenden drei Zitaten eingeleitet:

  • Theodor Adorno (Minima Moralia): “Was bedeutet es für das Subjekt, dass es keine Fensterflügel mehr gibt, die sich öffnen ließen, sonder nur noch hoch aufzuschließende Scheiben, keine sachten Türklinken, sonder drehbare Knöpfe, kein Vorplatz, keine … Straße, keine Mauer um den Garten?”
  • Martin Heidegger: “Wir wohnen nicht blos, das wäre beinahe Untätigkeit.”
  • Kurt Tucholsky: “Es gibt moderne Möbel, von denen ein witziger Frankfurter … gesagt hat, sie seien für die Wohnung nur konstruiert, damit man sich beim Zahnarzt wie zuhause fühlt.”

Folgende Stichpunkte sind von mir so verstandene Zitat- und Gedankenschnipsel aus der Diskussion:

  • Wohnen ist elementar. Man kommt nach Hause und fühlt sich wohl.
  • Man muss wohnen von Hausen unterscheiden.
  • Biedermeier forcierte den Rückzug in Private.
  • Wohnen ist Schutz. Ich darf dort sein, wie ich bin.
  • Wohnen ist individuell.
  • Ist das wohnen an einen Ort gebunden oder kann ich auch in mir wohnen?
  • Wohnen ist kulturell bedingt.
  • Vor 20 Jahren war die Bücherwand ein Statussymbol, heute nicht mehr.
  • Wohnen ist organisierte Privatheit.
  • Wohnung (lateinisch): Habitare, Habitus, der Ort an den man sich gewöhnt hat.
  • Wohnung ist der Ort, an dem sich Gewohnheiten bilden.
  • In einem Palast hat die Wohnung hauptsächlich Repräsentationsfunktion.
  • Im englischen gibt es kein “Wohnen”, sondern “Leben”(Livingroom).
  • Über die Wohnung kann ich viel über den Menschen erfahren, über seine Denkweise und Gewohnheiten.
  • John Lock: (Wohn-)Eigentum ist durch Arbeit entstanden.
  • Die Wohnung ist mein Lebensmittelpunkt.
  • Wohnen muss nicht zwingend Sesshaftigkeit bedeuten.
  • Bonität und zugestellte Werbung hängt auch vom Wohnort ab.
  • Das Wohnmobil beweist, dass wohnen nicht ortsgebunden sein muss.
  • Glücklich derjenige, der dort wohnt, wo er sich heim fühlt.
  • Wohnen soll etwas Beständiges sein.
  • Erst Anfang des 20 Jahrhunderts wurde das Wohnen theoretisch (durch Deutsche) behandelt (Ergebnis: z.B. Mietskaserne).
  • Der Bauhausstil ist streng architektonisch, klare Linien, transparent.
  • Bauhaus wollte reflektieren, was eigentlich der Raum ist.
  • Philosophen des Wohnens: Ernst Bloch, Walter Benjamin.
  • “Auch die Bourgeoisie muss das Wohnen erst lernen”
  • Walter Benjamin:”Wohnen im alten Sinne, an dessen erster Stelle Geborgenheit steht, geht über in spurenloses wohnen.”
  • “Lebensqualität” ist ein Begriff der Architektur.
  • Zum Wohnen gehört auch die Nachbarschaft.
  • Adorno: “Die Technisierung macht einstweilen die Gesten des Menschen primitiv und roh”
  • These:”Das Wohnen ist das Wahrnehmen der eigenen Grenze. Man erkennt seine Selbstbegrenzung.”
  • Philosophisch ist wohnen ein sich einrichten in der Welt.
  • Wohnen wir in der Welt?
  • Der Gegenbegriff von “Wohnen” ist nicht “Hausen” sondern Obdachlosigkeit.
  • Das fatale eines Obdachlosen ist, dass er sich nicht einrichten kann.
  • Wenn ich nicht auf dieser Erde wohne, bin ich nur ein Planetarier, ein Welt-Obdachloser.
  • In meinem Garten verbuddele ich keinen Müll, aber auf der Erde mache ich das (#Fracking, #Atommüll,…)

Abschlußzitate:

  • Emerson (amerik. Philosophenschriftsteller): “Die Schmuckstucke eines Hauses sind die Freunde die dort verkeheren.”
  • Ambrose Bearce: “Heim ist letztes Asyl, die ganze Nacht geöffnet.”
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