Persönliche Buchzusammenfassung – Alfred Gierer – Im Spiegel der Natur erkennen wir uns selbst

Die Wissenschaft kann über bestimmte Themen keine endgültige Aussage treffen. Dies sind zum einen selbstbezogene Themen, also Themen wo das Subjekt versucht sich als Objekt zu betrachten und zu erklären. Die Herleitung dieser Behauptung liefern Kurt Gödel und Alan Turing in ihren mathematischen Sätzen über die Grenzen der Entscheidbarkeit.
Zum anderen stellt Alfred Gierer die These der “finistischen Erkenntnistheorie” auf, dass es in unserer Welt keine Rechenprozesse über 10 hoch 120 Bits geben kann. Er begründet dies mit der Anzahl der stabilen Atom (10 hoch 80) in unserem Universum multipliziert mit der quantenphysikalisch minimalen Zeit eines stabilen Zustands dieser Atome seit bestehen des Universums, die er mit 10 hoch 40 angibt.
Dieser hypothetische, größtmögliche Computer ist aber endlich und kann viele Problemstellungen nicht auflösen.
Aussagen, die (deswegen) unüberprüfbar sind, müssen nicht falsch sein, sind aber unwissenschaftlich. So z.B. die viele-Welten-These oder das anthropische Prinzip, die ein “Kreationistisches Metagesetz” postuliert. Allerdings hat letztere These durch Religionen und persönliche Erfahrung mehr Alltagswert und ist daher zu bevorzugen.
Alfred Gierer stellt die physikalische Immanenz der Transzendenz entgegen. Es gibt zwei Wissenschaftliche Lager. Die einen behaupten, alles sei in diesem materiellen Universum vorhanden und bestehe letztlich daraus (Immanenz). So ist z.B. der Geist ein Produkt des menschlichen Gehirns.
Das andere Lager postuliert neben der nachweisbaren Physik eine geistige Existenz. Beide Lager sind prinzipiell nicht beweisbar. Doch auch hier spricht die Intuition für die Transzendenz. (“Immanenz ist gut, Transzendenz ist besser”).
Leider sind religionsnahe Thesen in der heutigen Wissenschaft verpönt und obwohl sie philosophisch gut haltbar sind werden sie vom Mainstream nicht angenommen. Dies liegt an dem langen, unnötigen Streit zwischen Religions- und Wissenschaftsvertretern seit Galileo Galilei. Bis dahin waren beide Richtungen vereint.
Anbei eine Leseprobe:

Insgesamt fand ich das Buch sehr lebensbejahend, philosophisch und wissenschaftlich logisch und mein eigenes Weltbild bestärkend.
Allerdings war damit dann auch nicht ganz so viel neues dabei und das Buch strotzt nur so von Redundanz. Man hätte es, ohne Verlust von Inhalt, auf mindestens die Hälfte reduzieren können.
Ich empfehle es aber jedem, der seine “erkenntnistheoretischen Hausaufgaben” noch nicht gemacht hat. 🙂
Buch: Alfred GiererIm Spiegel der Natur erkennen wir uns selbst – Wissenschaft und Menschenbild“. Rowohlt, Reinbek 1998

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