Phänomenologie und Metaphysik der Zeit

Zitate und Interpretationen aus dem Buch “Phänomenologie und Metaphysik der Zeit” von Johannes Volkelt

Der erste Teil des Buches beschäftigt sich mit der “Phänomenologie” der Zeit, also dem subjektiven Wahrnehmen:

  • S.18 “Unmittelbar erleben wir doch ausschließlich das Jetzt, das Zeitstückchen in dem wir gerade stehen; weder also das Vorher, noch das Nachher.”
  • S.19. “Es ist klar, sobald an der Ausgestaltung des Zeitbewußtseins Erinnerung beteiligt ist, kann nicht vom unmittelbaren Erleben der Zeit die Rede sein.
    Kontext/Interpretation: Das was Vergangen ist, gehört nicht der Gegenwart an.
  • S. 28 “Das Zeit-Minimum bedeutet die Heraushebung eines absolut-bestimmten Kleinsten aus dem Flusse des Stetigen.”
    Kontext/Interpretation: Es hängt vom Zusammenhang ab, wie klein die kleinste Zeiteinheit ist. Nicht das physikalisch Meßbare ist relevant, sondern die Änderungsintervalle und die physische Verfassung geben den Takt vor. So ist die “Länge der Gegenwart” beim Zahnarzt eine andere, als bei einem Fußballspiel.
  • S. 40 “Ich fasse die Zerlegbarkeit der Zeitgegebenheit ins Auge. Wie weit reicht diese Zerlegbarkeit? Die genaue Antwort lautet: soweit ich noch bei schärfster Hinwendung der Aufmerksamkeit Teile zu unterscheiden vermag.”
  • S. 44 “Hier handelt es sich offenbar nicht um verschiedene Geschwindigkeiten des Zeitflusses als sochen, sondern allein darum, dass sich die in der Zeit gegebenen Inhalte mit verschiedener Geschwindigkeit verändern.”
  • S. 59+60 “Könnte denn eine Folge von Tönen als Melodie aufgefasst werden, wenn nicht beim Hören jedes Tones die vorausgegangenen Töne erinnerungsmäßig nachklingend in meinem Bewußtsein weiterbestünden?… Ohne Zugleichsein für mein Bewußtsein, könnte ich keinen zwei oder Dreiklang hören… Demgemäß ist die Zeit ein zweidimensionales Gebilde. Erst Erstreckung und Umspannungsweite zusammen erschöpfen die Struktur der Zeit.”
  • S. 75 “Nur weil in dem Jetzt noch das Vorher gleichsam nachklingt, kann es zu einem bei sich bleibenden, sich festhaltenden Ichpunkte kommen.”
    Kontext: Stetigkeit der Zeit
  • S. 76 “Keinesfalls bringt uns das einfache Selbstinnesein, die bloße Hinwendung der Aufmerksamkeit auf das eigene Ich über das zeitliche Ich hinaus.”
  • Interpretation: Meine Seele erkenne ich nicht durch bloßes in mich hineinschauen. Mir fehlt prinzipiell der Blick von außen. Das Subjekt kann nicht das Subjekt erkennen.
  • S. 83+84: Es gibt:
    • 1. das unmittelbare Zeitinnesein (die Zeitanschauung, Selbststetigkeitsgefühl, wahrgenommene Gegenwart)
    • 2. die Phantasievolle Erinnerung (Sie muss nicht 100% den stattgefundenen Tatsachen entsprechen)
    • 3. die nacherzeugende Zeitvorstellung (Geschichte. Z.B. Schiller wurde 1759 geboren)
  • S. 93: “Die Zahlen als Ausgestaltung der zeit anzusehen, wäre sinnlos.”
    Kontext: Zahlen sind diskret, die Zeit ist stetig
Der zweite Teil des Buches beschäftigt sich mit der Metaphysik der Zeit, also dem, was Menschenübergreifend hinter der Zeit stecken könnte.
  • S. 122 “Das zeitlos Seiende, das die Grundlage der Raum- und Zeitwelt bildet, hat die Seinsweise der Innerlichkeit, der Geistigkeit.”
  • S. 127 “Wer Anfang und Ende der Zeit gelten lässt, muss sich das zeitlose Urwesen als sich im zeitlosem Wirken betätigend, als zeitlos zu bestimmtem Wirken heraustretend vorstellen.”
  • S. 128 “Das Urwesen stellt sich die Zeit gegenständlich gegenüber. Mein Ich dagegen findet sich in die Zeit und sich in der Zeit.”
  • S. 134 “…, sondern es ist ein und dasselbe Urwesen, das den Weltraum aus sich heraus schaut und die endlichen Bewußtseine in ihm entstehen lässt.”
  • S. 135 “… Kantischer Gedanke…dass Zeit und Raum nur soweit vorhanden sind, als sie von dem Bewußtsein, für das sie da sind, geschaut werden.”
  • S. 142 “Mein zeitloses Ich würde dann gleichsam das Reich der Zeitlichkeit schneiden, und die Schnittfläche wäre dann mein Empirisches, zeitliches Ich.”
  • S. 146 “Wenn man das Überzeitliche als das Ewige bezeichnet, darf gesagt werden: das zeitliche Geschehen erhält Sinn erst durch Einordnung in das ewige Geschehen.”

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