Dekadenz und Niedergang

Ich habe am 6.8.2012 an einer philosophischen Diskussion zum Thema “Dekadenz und Niedergang” mit dem Referenten Markus Melchers teilgenommen.
Hier ist mein persönliches Protokoll:

Die Diskussionsrunde wurde mit folgenden drei Zitaten eingeleitet:

  • Albert Schweitzer: “Wir stehen im Zeichen des Niedergangs der Kultur.”
  • Max Scheler: “Für ganze Zeitalter ist der gesteigerte praktische Hedonismus sicherstes Zeichen der vitalen Dekadenz.” (?)
  • Oscar Wilde: “Man umgebe mich mit Luxus. Auf das Notwendige kann ich verzichten.”

Folgende Stichpunkte sind von mir so verstandene Zitat- und Gedankenschnipsel aus der Diskussion:

  • Ist Dekadenz negativ?
  • Dekadenz heist Verfall, verdorben, im inneren verfault.
  • Viele östliche Religionen halten den Westen für dekadent.
  • Guido Westerwelle: “Wer dem Volk anstrengungslosen Wohlstand verspricht, lädt zu spätrömischer Dekadenz ein.” Ein arroganter Satz der inhaltlich falsch ist und die Armen diskriminiert.
  • Die späten Römer hatten innen- und außenpolitische Probleme. Der Niedergang war nicht (nur) der Dekadenz geschuldet.
  • Über die Verhältnisse zu leben, also mehr auszugeben als man hat, ist dekadent.
  • Den Wert einer Sache zu missachten, Gedankenloser Umgang mit Wertgegenständen ist dekadent.
  • Im alten Testament spricht Gott einem Volk das “Mene Tekel” zu (gewogen und zu leicht befunden). Dieses Volk ging danach unter. Die Waagschale der Aufwände, bzw. Werte entspricht nicht der Waagschale der Achtung und Moral. Siehe hierzu auch mein Cartoon “Mene Tekel“.
  • In der Kunst gab es eine positive Dekadenz.
  • Die Dekadenz der Kunst wünscht den Niedergang des Verfaulten.
  • Dekadenz ist das Verlassen eines Niveaus. Und zwar nach unten.
  • Niedergang heißt nicht Untergang.
  • Die Spartaner lebten zuerst “spartanisch” (also enthaltsam). Später kam Wohlstand, mit dem sie nicht umgehen konnten. Dann kamen Dekadenz und Niedergang des Volkes.
  • Dekadenz heute bedeutet: Verfall von Benehmen, übermäßiger Ressourcenverbrauch, öffnen der Armutsschere, Verschuldung, Sozialabbau, Kulturverlust,…
  • Dekadenz ist der Verstoß gegen menschliche Werte.
  • Dekadanz ist mehr ein Kulturphänomen als ein Einzelverhalten (obwohl schon der Einzelne einen dekadenten Lebensstil haben kann – dann spricht man aber eher von unmoralisch).
  • Das Gegenteil von Dekadenz ist Fortschritt, Aufbau.
  • Dekadenz wird oft nicht bemerkt.
  • Wenn Dekadenz bemerkt wird, wird sie oft ignoriert.
  • Dekadenz ist ein nicht mehr Wahrnehmen seiner Verantwortung.
  • Dekadenz ist das Leben auf Kosten anderer (Schmarotzen).
  • Philosophisch wird Dekadenz aufgeteilt in folgende Teilbereiche: Kultur, Literatur, Moral.
  • Oswald Spengler: Es gibt Gesetzmäßigkeiten, wie Kulturen aufsteigen und verfallen.
  • Karl Marx: Die Dekadenz zeigt sich in den Unterschieden der Klassen.
  • Karl Marx: Dekadenz kann auch gut sein, wenn z.B. der Feudalismus untergeht und dadurch das Bürgertum entsteht.
  • Die Bewertung ob etwas dekandent ist, ist subjektiv.
  • Die Deutschen gelten als dekadent, wenn sie wenig Kinder haben.
  • Die Chinesen gelten als dekadent, wenn sie viele Kinder haben.
  • Die Regelwut der Deutschen führt zur Dekadenz.
  • Komplexität kann zur Dekadenz führen.
  • Ist Dekadenz einfach nur Veränderung?
  • Jean-Jacques Rousseau fragt, ob es ein Verfallsgesetz gibt.
  • Die christlichen Franken sind die legitimen Nachfolger der Römer. Die römisch-katholische Kirche ist das heutige Überbleibsel von Roms Macht (neben den vielen kulturellen Erbschaften).
  • Die meisten Kulturen sind nicht untergegangen, sonder wurden transformiert oder assimiliert. (Optimistischer Gedanke (von Vico?))
  • Es fehlt der Optimismus in der Deutschen Kultur. Wir sollten gewahr werden, dass es uns im Moment gut geht und die Zukunft ungewiss ist.
  • Ehescheidung, Homoehe, Rechtschreibreform, … sind für die einen Zeichen des Untergangs, für die anderen Fortschritt.
  • Oswald Spengler: Wenn Kulturen den moralischen Kompass verloren haben, gehen sie unter.
  • Jean-Jacques Rousseau: In dem Augenblick, wo wir die Kultur erschaffen haben, begann der Niedergang. (Also: Der Weg aus der Krise: weniger Kultur).
  • Immanuel Kant: Man entkommt der Krise, indem man Vertragswesen schafft. (Also: Der Weg aus der Krise: mehr Kultur).

Schlußzitate:

  • Alexandre Duman: “Wohin gehören die Gänsefüßchen, wenn man von einem primitiven oder zivilisierten Volk redet?” (?)
  • Edward Hibbert: “Anstatt zu fragen warum das Römische Reich zerstört wurde, könnten wir staunen, warum es so lange Bestand hat.”
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