Wohlwollen

Ich habe am 1.012.2014 an einer philosophischen Diskussion zum Thema “Wohlwollen” mit dem Referenten Markus Melchers teilgenommen.
Hier ist mein persönliches Protokoll:

Die Diskussionsrunde wurde mit folgenden drei Zitaten eingeleitet:

  • Aristoteles: “Wo gegenseitiges Wohlwollen vorhanden ist, da spricht man von guter Freundschaft.”
  • Thomas Hobbes: “Deshalb muß man anerkennen, daß der Ursprung aller großen und dauernden Verbindungen der Menschen nicht in gegenseitigem Wohlwollen, sondern in gegenseitiger Furcht bestanden hat.”
  • Mandeville: “Wohlwollen ist eine Form des Selbstgefallens.”

Folgende Stichpunkte sind von mir so verstandene Zitat- und Gedankenschnipsel aus der Diskussion:

  • Das philosophische Caffe lebt auch von unserem Wohlwollen 🙂
  • Kant: Wohlwollen ist die Grundlage des menschlichen Zusammenseins.
  • Gerichtshof: Ein Zeugnis soll von verständigem Wohlwollen geprägt sein.
    • Man darf nicht sagen: “Der Schüler ist dumm”, sondern muss es wohlwollend umschreiben.
    • Bsp.: “Er hat viel Einfühlungsvermögen.” heißt “Er suchte sexuellen Kontakt.”
    • Wollen kann man aber nicht verordnen
  • Wohlwollen kann man einem Einzelnen entgegenbringen, aber kann man es auch einer Gesellschaft?
  • Früher sagte man “Lebe wohl!”
  • Man sollte auch denen mit Wohlwollen begegnen, die nicht gleichgesinnt sind.
  • Im Alten Testament taucht Wohlwollen auf, aber im Neuen Testament nicht.
  • Wohlwollen ist historisch kein christliches Thema.
  • Ist Wohlwollen Nächstenliebe? Nicht zwingend. Wohlwollen kann auch eigennützig sein.
  • Aristoteles meinte mit dem Eingangszitat: Eine Freundschaft ohne Wohlwollen ist keine Freundschaft.
  • Liebe liebt der Liebe wegen.
  • Wohlwollen ist in der westlichen, christlichen Kultur weit verbreitet. Der Fremde wird erst mal mit Wohlwollen behandelt. Aber es gibt auch Ausnahmen (einige Banker, Eliten), die im Gegenüber hauptsächlich ein Opfer oder einen Feind sehen.
  • Ist Wohlwollen eher ein Gefühl oder eher eine rationale Haltung?
  • Nächstenliebe unterscheidet sich vom Wohlwollen dadurch, dass Nächstenliebe von Jesus/Gott geboten ist und Wohlwollen eine (empirisch überprüfbare) Tugend ist.
  • Nachsicht ist das Übersehen von Fehlern.
  • Wohlwollen und Zeugnisvergabe passen nicht zueinander 🙂
  • Man kann Wohlwollen nicht messen, genau so wenig wie Liebe. Cicero versucht dies aber ansatzweise, zum Beispiel in der Dauer von wiederkehrendem Wohltaten.
  • Ethik lässt sich nicht nur rational erklären.
  • Thomas Hobbes sieht den Menschen als Wolf des anderen Menschen. Aber der Mensch hat ein autokratisches Herrschersystem aufgebaut, damit es Recht und Gericht gibt.
  • Rousseau dagegen glaubt dass die Menschen gegenseitige (Wohlwoll-) Veträge geschlossen haben.
  • Respekt, Hilfsbereitschaft, Toleranz, Nächstenliebe, Sozialismus, Altruismus, Humanität, Nachsicht sind keine Synonyme, sondern unterscheiden sich jeweils vom Wohlwollen.
  • Es gibt aber Unterarten des Wohlwollen: aristotelisch (freundschaftlich), Cicero (empirisch messbar), moral sense (ethisch, tugendhaft)
  • Nietzsche: Wohlwollen ist Ausdruck des Herdenmenschen.
  • Peter Sloterdijk will mehr auf die Mündigkeit des Bürgers setzen, weniger auf die Kleptokratie (So nannte er die Steuer). Er glaubt wir würden genau so viel Spenden, wie wir jetzt an Steuern zahlen (bei Freikirchen funktioniert das prima). Das würde aber die Menschheit aufteilen in Gebende und Nehmende.

Und hier die Abschlusszitate:

  • Nietzsche: “Ein Wesen, welches einzig rein unegoistischer Handlungen fähig wäre, …, es ist deutlich nicht einmal vorzustellen.”
  • Wilhelm Dilthey: “Ein Wohlwollen, welches nur um der praktischen Vernunft willen wohltut, ist ein Idealbild einer anderen Welt.”
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