Wirklichkeit und Wunsch

Ich habe am 04.07.2016 an einer philosophischen Diskussion zum Thema “Wirklichkeit und Wunsch” mit dem Referenten Markus Melchers teilgenommen.
Hier ist mein persönliches Protokoll:

Die Diskussionsrunde wurde mit folgenden drei Zitaten eingeleitet:

  • Oskar Wilde: “Egoismus besteht nicht darin, dass man sein Leben nach seinen Wünschen lebt, sondern darin dass man von anderen verlangt, dass sie so leben wie man es wünscht.”
  • François de La Rochefoucauld. “Es ist viel leichter, einen ersten Wunsch zu unterdrücken, als sich die Wünsche zu erfüllen, die der erste nach sich zieht.”
  • Tennessee Williams: “Die Menschen von heute wünschen das Leben von übermorgen zu den Preisen von vorgestern.”

Folgende Stichpunkte sind von mir so verstandene Zitat- und Gedankenschnipsel aus der Diskussion:

  • Viele wünschen sich Bedürfnislosigkeit.
  • Die Geschichte vom Fischer und seiner Frau Ilsebill, die nie mit den erfüllten Wünschen zufrieden war.
  • Hans im Glück wurden auch alle Wünsche erfüllt.
  • Wenn ein Wunsch erfüllt ist, dann wird man schnell unzufrieden und es entstehen neue Wünsche.
  • Viele Wünsche entstehen im Unterbewusstsein, ohne dass ich sie bemerke.
  • Wer erzeugt eigentlich Wünsche?
    • Werbung
    • Führungspersonen
  • Was unterscheidet Wünschen von Begehren, Wollen, Erstreben?
    • Wünsche beziehen sich auf die Zukunft und sind unabhängig von der Realität.
    • Erstreben ist konkret, rational, pragmatisch.
    • Begehren ist emtional.
  • Auf dem Wunschzettel darf alles stehen.
  • Ist der Wunsch ein Gefühl?
  • Wünsche verändern die Wirklichkeit, aber auch den Wunschträger.
  • Bei den Stoikern wird der erste Gedanke der kommt erst mal kritisch hinterfragt. Die Wünsche sind dort rational. Dadurch stehen sie über dem Schicksal.
  • Ein Teilnehmer: “Ich lasse mir meine Wünsche nicht vermiesen. Auch durch keinen Philosophen. Ich ich will auch Emotionen dabei empfinden.”
  • Das bleibende Glück unseres Lebens sind die Wünsche die nicht in Erfüllung gegangen sind.
  • Wünsche sind subjektiv.
  • “Denken sie doch was sie wollen, sie denken ja doch nicht was sie wollen.”
  • Ich kann mir nur das Wünschen, was ich mir vorstellen kann (z.B. kein dreieckiges Viereck).
  • Ich kann mir auch etwas wünschen, was nicht realistisch ist, z.B. dass ich fliegen kann.
  • Es kann auch ein Wunsch erfüllt werden, von dem ich gar nicht wusste, dass ich ihn hatte, weil ich ihn mir nicht vorstellen konnte (z.B. in der Retrospektive nach einer positiven beruflichen Veränderung).
  • Nachdem der Wunsch des Brexits erfüllt wurde, sieht die Wirklichkeit ganz anders aus.
  • Realität ist das was uns umgibt, was mess- und fühlbar ist. Wirklichkeit ist mehr als das, steht dahinter, ist also das Sein.
  • Ich kann immer nur die Realität beschreiben. (z.B.: Die Tasse ist hart, wiegt 100 g, ist blau,…. Aber die Wirklichkeit, dass Eigentliche der Tasse bleibt mir verborgen.)
  • Hegel: Sein und Nichts ist dasselbe, weil beides eigenschaftslos ist.
  • Der Antirealist sagt, das es auf die Frage was es ausserhalb unseres Kopfes gibt, keine genugtuende Antwort gibt (Kant).
  • Die Physik und Naturwissenschaften befassen sich nur mit der Realität, nicht mit der Wirklichkeit
  • Die Bibel befasst sich dagegen mehr mit der (von ihr aus gesehenen) Wirklichkeit, also dem Seienden, das was hinter der Welt steht.
  • Thomas Nagel: “Wie ist es eine Fledermaus zu sein?” – Man kann sich nicht in andere hinein denken.

Und hier die Abschlusszitate:

  • Ernst Bloch: “Im Wünschen liegt noch nichts von Arbeit oder Tätigkeit. Alles Wollen dagegen ist Tun wollen.”
  • Fjodor Michailowitsch Dostojewski: “Nichts ist unglaubwürdiger als die Wirklichkeit.”
Advertisements