Wie können wir uns gegen Pseudowissenschaften wehren?

Ich habe am 03.04.2017 an einer philosophischen Diskussion zum Thema “Wie können wir uns gegen Pseudowissenschaften wehren?” mit dem Referenten Markus Melchers teilgenommen.
Hier ist mein persönliches Protokoll:

Die Diskussionsrunde wurde mit folgenden drei Zitaten eingeleitet:

  • Shakespeare: „Es gibt mehr Dinge zwischen Himmel und Erde, als Eure Schulweisheit sich träumen lässt.“ 
  • Ronald David Laing: “Wenn ich nicht weiß, dass ich nicht weiß, glaube ich zu wissen. Wenn ich nicht weiß, dass ich weiß, glaube ich, nicht zu wissen.”
  • Georg Christoph Lichtenberg: “Es gibt Leute, die glauben, alles wäre vernünftig, was man mit einem ernsthaften Gesicht tut.”

Folgende Stichpunkte sind von mir so verstandene Zitat- und Gedankenschnipsel aus der Diskussion:

  • Müssen wir uns eigentlich gegen Pseudowissenschaft wehren?
  • Was sind eigentlich Pseudowissenschaften, wie unterscheiden sie sich von “normalen Wissenschaften”?
  • “Deutsche Physik” ist ein Beispiel für Pseudowissenschaft.
  • Sind Ideologien, Mythen,… auch Pseudowissenschaft?
  • Was ist mit Traumdeutung, Astrologie, Homöopathie, Psi, Kreationismus, chinesische Medizin, …?
  • Ist die Trennung zwischen Wissenschaft und Pseudowissenschaft eine Glaubensfrage.
  • Wiederholbarkeit, Experimente, Theoriebildung machen die exakte Wissenschaft aus.
  • Wer würde eigentlich zugeben, dass er Pseudowissenschaft betriebe. Der Begriff ist dazu da, andere zu diskreditieren. Er ist ein Kampfbegriff.
  • “Episteme” heißt “vernünftiges Wissen”.
  • Auch in der Wissenschaft wird mit Glaubenssätzen und Thesen gearbeitet. Diese werden dann aber durch Experimente (also empirisch) verifiziert oder falsifiziert.
  • Pseudowissenschaften zeichnen sich dadurch aus, dass sie immun sind gegen jeglichen Einspruch.
  • Ich (Autor) war einmal in einem Museum für Kreationismus. Dort erzählte uns ein Professor wie die Steinkohlenflöze aufgebaut sind. Dort zeigte er uns Querverbindungen zwischen den Flözen. Er kann sich die nur erklären, indem er einen Wald auf einem Meer postulierte, welcher durch eine Katastrophe (Landsenkung) übereinander geschichtet wurde. Die Querverbindungen waren demnach Wurzeln. Diese These ist erstaunlich überzeugend und wissenschaftlich formuliert. Aber er hat keine Chance dies bei etablierten Wissenschaftlern zu platzieren.
  • Ist Philosophie eine Wissenschaft? Teilweise ja, nämlich dann, wenn sie wissenschaftliche Werkzeuge verwendet.
  • Ein Theologe ist ein Wissenschaftler, weil er mit wissenschaftlichen Methoden die Schriften untersucht.
  • Es gibt neben den Wissenschaften und den Pseudowissenschaften auch die Nichtwissenschaften (z.B. Meinungen).
  • Emanuel Swedenborg ist laut Immanuel Kant ist der Prototyp eines Pseudowissenschaftlers. Swedenborg sagt nämlich nicht “Ich habe den Himmel oder die Hölle so und so erfahren”, sondern er sagt, “Der Himmel und die Hölle IST so und so”.
  • Es existieren viele unwissenschaftliche Phänomene (Telepathie, prophetische Träume, Wunderheilung, Gebetserhörungen,….), die aber singulär auftreten und die keiner Regel folgen. Sie können also wissenschaftlich gar nicht untersucht werden, sind aber dennoch real. (Zustimmung im Puplikum).
  • Gibt es sprachunabhängige Tatsachen? (fingiertes Beispiel: “Da draußen gibt es etwas, das übersteigt alle unsere Vorstellungskraft und das ist grün.”)
  • Es gibt viele Mathemetiken, zu denen es keine Wirklichkeiten gibt. Sind damit die Mathematiker Spinner? (Sie sind zumindest keine Pseudowissenschaftler.)
  • Bei neuen Ideen verschwimmen Wissenschaft und Pseudowissenschaft. (Z.B. war Galileo Galilei in den Augen der damaligen Wissenselite ein Pseudowissenschaftler, da die Sonne sich ja offensichtlich (von jedermann nachvollziehbar) um die Erde dreht.)
  • Auch die Physik ist an ihren Grenzbereichen eine Pseudowissenschaft, weil sie nicht mehr veri-/falsifizierbar ist (Stringtheorie, Urknallbeginn,….)
  • Es gibt eine Checkliste mit ca. 10 Punkten für die exakte wissenschaftliche Theorienprüfung:
    • Realitäts Postulat
    • Kontinuitätsprinzip
    • Wechselprinzip
    • Heuristisches Prinzip,
    • Nur wenn eine These sich diesen Prinzipien stellt, ist es eine wissenschaftliche These. (Wurde sie dann noch verifiziert, wird aus der These eine Theorie.)
  • Pseudowissenschaftler stellen sich keine Rätselfragen, sie kennen die Antwort bevor sie die Frage kennen. Sie kennen auf alle Fragen eine Antwort.
  • Wissenschaftler streiten und argumentieren miteinander und sind bereit Dogmen aufzugeben.
  • Man muss sich gegen manche Pseudowissenschaften wehren, weil sie unter Umständen tödlich sind (z.B. dass Aids ungefährlich sei oder das Impfungen uns zu Sklaven machten).
  • Aber auch exakte Wissenschaften können gefährlich sein, wenn sie behaupten, dass es bestimmte Realitäten nicht gibt (weil diese sich ja auch wissenschaftlich erklären  ließen können). So sind z.B. Männer auf dem Holzweg, wenn sie sagen, Liebe sei ja auch nur eine Anhäufung bestimmter Hormone.
  • Paul Feierabend spricht von einer Gängelung durch wissenschaftliche Rationalität (z.B.: Glaube an die Kernenergie). Physiker vertreten auch oft Ideologien.
  • Gert Scobel: “Einer der größten Irrtümer in der Geschichte der Neurowissenschaften war die Annahme, dass Gehirn sei ein Computer.”
  • Wer gibt eigentlich die Richtung der Forschung (durch Förderungen) vor?
  • Auch Wissenschaftler sind bestechlich. Und auch dort gibt es Betrug.
  • Athanasius Kircher (1602- 1680), “der Mann der alles wusste”, war ein fester Überzeugungstäter. Viele glaubten ihm, weil er überzeugend war. Letztendlich war aber nahezu alles was er erzählte erlogen.
  • Wenn man mit normaler Wissenschaft nicht weiter kommt, sind auch Pseudowissenschaften erlaubt (Feierabend).

Und hier die Abschlusszitate:

  • Blaise Pascal: “Es gibt zwei gleich gefährliche Abwege: Die Vernunft schlechthin zu leugnen und außer der Vernunft nichts anzuerkennen.”
  • Lothar Schmidt: “Wer weiß schon, wieviel er wissen muss, um zu wissen, dass er noch zu wenig weiß?”

Siehe auch: https://greensniper.wordpress.com/was-ist-eine-tatsache/