Wer sagt mir wer ich bin?

Ich habe am 07.03.2016 an einer philosophischen Diskussion zum Thema “Wer sagt mir wer ich bin?” mit dem Referenten Markus Melchers teilgenommen.
Hier ist mein persönliches Protokoll:

Die Diskussionsrunde wurde mit folgenden drei Zitaten eingeleitet:

  • Rene Descartes: “Ich denke, also bin ich.”
  • Ernst Bloch: “Man ist. Das ist zu wenig. Ja das wenigste.”
  • “Zeig mir deine Freunde und ich sag dir wer du bis.”

Folgende Stichpunkte sind von mir so verstandene Zitat- und Gedankenschnipsel aus der Diskussion:

  • Descartes sagt, der Geist existiert wirklich und der Körper ist nur ein Anhang.
  • Im Moment des Zweifels muss jemand da sein, der zweifelt.
  • Das “Ich” spiegelt sich im “Du”.
  • Meine Eltern sagen mir wer ich bin.
  • Ich bin Steuerschuldner, Wahlbürger, Gemeindemitglied, Vater, Ehemann,…
  • Das “Ich” entsteht in der Abgrenzung von der Außenwelt.
  • Wolfskinder glauben sie seien Wölfe.
  • Erst mit zwei Jahren erkennt ein Kind sich im Spiegel.
  • Das “Ich” ist mehr als die DNA und die Neuronenverbindungen.
  • Auf meiner Arbeit werden uns Rollen zugeteilt, die definieren, was ich tun soll.
  • Wenn wir die Rollenzuteilung und Umweltrückmeldungen unreflektiert annehmen, sind wir Zombies.
  • Die Rückmeldungen von außen sind immer nur Teilaspekte von mir.
  • Niemand sagt mir wer ich bin.
  • Das Johari-Fenster ordnet mich ein.
  • Ich selber sage mir wer ich bin, weil ich die Puzzelteile der Informationen von innen und außen zu einem Selbstbildnis mache.
  • Google sagt mir wer ich bin.
  • Wenn die Eltern einem Kind sagen,”Du bist ein Nichtsnutz”, so ist das wie ein Fluch, der ein Leben lang auf diesem Menschen lastet, weil er das unbewusst akzeptiert hat.
  • Ich bin auch Deutscher und trage damit auch die Last der Geschichte mit.
  • Namen sagen auch wer man ist. Bei Katholiken werden oft Heilige als Vorbilder genommen.
  • Traumatische Ereignisse  und Umstände können einem sagen wer man ist. (Opfer, Flüchtling,…)
  • Ich kann nur deshalb über mich reden, weil ich das Instrument der Sprache beherrsche, welches ich aber nur durch andere Menschen gelernt habe.
  • Es sagen sehr viele Menschen wer wir sind, die Frage ist, wem glauben wir?
  • Ein Arzt weiß mehr über meinen Körper als ich.
  • Ich bin als Kind ein anderer als Erwachsener. Ich bin morgens ein anderer als Mittags oder Abends.
  • Ggf. gibt es kein “Ich” sondern es gibt immer nur Teilaspekte.
  • Wenn ich selbst herausfinden will, wer ich bin, dann ist das Subjekt das Objekt. Das funktioniert nicht.
  • Um sich vergleichen zu können, brauchen wir ein Koordinatensystem, z.B. moralische Werte.
  • Bei den Griechen sagt das Schicksal wer ich bin.
  • Bei den Christen ist es Gott.
    • Demnach bin ich ein geplantes und geliebtes Wesen, dass auf Erden die begrenzte Möglichkeit bekommt sich zu entfalten (dem “Ich” Raum zu geben).
  • Die Biologen, Soziologen, die Medien, die Anthroplogen, die Scham, die Schmerzen sagen mir wer ich bin.
  • Der Gefolterte sagt dass er das ist, was ihm der Folterer gesagt hat.
  • Der Tod sagt mir wer ich bin.
  • Das “Fremdschämen” (z.B. über ‘Rechts-unten-Deutschland’) sagt mir, wer ich nicht bin.
  • Wir suchen eine Autorität, die uns das sagt, wer wir sind.
  • Was ist die Umwelt, die uns prägt?
  • Wenn ich einer Person alle Rollen und Kategorien weg nehme, erkenne ich dann die Person?
  • Bin ich die Emergenz aus der Summe meiner Rollen?
  • Der demokratische Bildungsprozess beantwortet jungen Menschen die Frage wer sie sind, nämlich sozialisierte, arbeitssame Wesen.
  • Was ist mit Dr. Jeckel und Mr. Hide, welches “Ich” ist das wahre und wer maßt sich an das auszusuchen?
  • Unterschiede des “Ichs” durch Meet(?):
    • Self: Erfahrungsprozesse und vermitteltes etwas
    • I: Reaktion auf Handlungsweisen Anderer
    • Me: organisierte Gruppe von Haltungen anderer, die man selbst einnimmt
  • Die Bilanz kann man erst ziehen, wenn man gestorben ist. (Wobei das auch nur Perspektiven sind).
  • Der “neuer Realismus” beschäftigt sich mit dem Geist (Marks Gabriels neues Buch)

Und hier die Abschlusszitate:

  • Nietzsche: “Du sollst werden der du bist.”
  • Wittgenstein: “Wenn einer meinen Namen ganz selten gebrauchen würde, so könnte es sein, dass ich ihn nicht wüsste. Dass ich meinen Namen weiss, ist nur darum selbstverständlich, weil ich ihn wie jeder andere unzählige Male verwende.”