Wer lebt sein Leben richtig?

Ich habe am 6.01.2014 an einer philosophischen Diskussion zum Thema “Wer lebt sein Leben richtig” mit dem Referenten Markus Melchers teilgenommen.
Hier ist mein persönliches Protokoll:
Die Diskussionsrunde wurde mit folgenden drei Zitaten eingeleitet:
  • Max Stirner: “Und nun nehme Ich die Welt als das, was sie Mir ist, als die Meinige, als Mein Eigentum: Ich beziehe alles auf Mich.”
  • Michel Houellebecq: “Man kann sehr gut Leben, ohne sich etwas vom Leben zu erhoffen.”
  • Arthur Clarke: “Nur schwache Gemüter werden von Fakten genährt.”

Folgende Stichpunkte sind von mir so verstandene Zitat- und Gedankenschnipsel aus der Diskussion:

  • Die Frage ist sehr schwer eindeutig zu beantworten.
  • Evtl. hilft es die Gegenfrage zu stellen: “Wer lebt sein Leben falsch?”
  • Derjenige lebt richtig, der sich gesund ernährt, viel schläft, Sport treibt,…
  • Wer entscheidet, wie man leben soll?
  • “Ethik-Quellen” (Agenturen, Institutionen) wie Schule, die Polizei, Medien, Werbeindustrie, Religion … schreiben vor, wie man ein Leben richtig zu führen hat.
  • Wenn ich ethische Grundsätze befolge, brauche ich keinen der mir sagt, wie ich richtig leben soll.
  • Aber wer gibt mir die ethischen Grundsätze?
  • Die “Ethik-Quellen” widersprechen sich teilweise.
  • Die Frage, “Was ist richtig?” muss im jeweiligen Kontext gesehen werden, sie kann nicht global auf das Leben gestellt werden.
  • Außerdem ist sie schwierig zu beantworten. Wer mag objektiv entscheiden was richtig ist? Was für den einen richtig ist, ist für den anderen falsch; auch weil die Umstände andere sind (verschiedene Sinnfelder).
  • Zufälle spielen im Leben eine wichtige Rolle.
  • Man kann sein Leben nur vorwärts Leben aber nur Rückwärts betrachten. Ob das Leben geglückt ist, kann man erst am Ende entscheiden.
  • Gesellschaft, Kultur und Zivilisation geben einen Lebensrahmen vor.
  • Man braucht Ziele im Leben.
  • Viele wissen wo sie fort wollen, aber nicht wo sie hin wollen.
  • In meinem Leben werde ich Fehler machen. Aber was sind Fehler? Wer entscheidet das?
  • Die Einen wollen fremdbestimmt sein (rundum versichert, all inclusive) und die Anderen wollen eher selbständig sein (Abenteuer, das Leben “von vorne” nehmen).
  • Adorno: “Es gibt kein richtiges Leben im Falschen”. Z.B. die Schreibtischtäter im dritten Reich glaubten alles richtig gemacht zu haben.
  • Derjenige lebt sein Leben richtig,der seine Talente nutzt.
    • Aber gilt das auch für den Scharfschützenm, der für die Mafia arbeitet?
  • Derjenige lebt sein Leben richtig, der nicht gegen die eigene oder die Würde anderer verstößt.
  • Derjenige lebt sein Leben richtig, der nach Erkenntnis sucht.
  • Die Frage wird  nicht mit einem Satz sondern mit der Lebensführung beantwortet.
  • Die Frage kann höchstens individuell beantwortet werden, weil sie jeder anders beantwortet und es eine “objektive Autorität” (Gott) braucht um eine objektive Antwort zu erhalten.
  • Derjenige lebt sein Leben richtig, der einen Sinn für sein Leben gefunden hat.
  • Derjenige lebt sein Leben richtig, der einen Entwurf für sein Leben gefunden hat, indem z.B. der Sinn eingebaut ist.
  • Die Frage stellt nur der, der eine Ahnung hat, dass die Antwort nicht selbstverständlich ist.
  • Prediger 1,14.: “Es ist alles ganz Eitel und ein Haschen nach dem Wind.” – Ohne Gott ist das Leben sinnlos. (Sagt mit anderen Worten auch Nietzsche)
  • Für die meisten Menschen stellt sich die Frage nicht – sie leben einfach und fühlen sich wohl. Sie stellen die Frage nicht, weil sie wissen, dass  es keine Antwort gibt.
  • Das Leben besteht aus Anspannung und Entspannung, aus Hunger und Sattsein, aus dem gesunden Wechsel zwischen den Spannungspolen. (Auch dies läßt sich in Prediger 1 nachlesen. Dem alten Salomo sagt man nicht umsonst Weisheit nach.)
  • Aristoteles: Derjenige lebt sein Leben richtig, der in der Theorie lebt.
  • Max Stirner: Wir haben das Lebensbild aus dem Christentum, Staat, Familie,…. Er will den eigentlichen Menschen befreien. Seine Denkweise nennt man “Solipsismus”: Alle Ordnung  muss zerstört werden, um das Individuum zu befreien. Derjenige lebt sein Leben richtig, der seinem Egoismus freie Bahn gibt, weil es der Natur des Menschen entspricht.
    Die Anarchisten fordern daher, dass alles (Staat, Kirche) abgebaut werden soll, damit der Mensch frei werden kann. Wenn er dann frei ist, hat er auch die Freiheit anderen zu helfen.
  • In Todesanzeigen liest man schon mal von einem “erfüllten” Leben:  Gemeint ist jemand der alt ist und ein vielseitiges Leben hinter sich hat.
  • Candide: Für die beste aller Welten ist es wichtig unseren eigenen Garten zu pflegen.
  • Folgendes Gedicht wurde vorgetragen: “Wenn ich noch einmal leben könnte” von wahrscheinlich Jorge Luis Borges
  • Thomas Nagel: Die Schwankung zwischen metaphysischem Wertobjektivismus und relativem Wertsubjektivismus ist eine Grundbedingung des menschlichen Selbstverhältnis.

Und hier die Abschlußzitate:

  • Epikur: “Von allem was die Weisheit zum ganzen Leben Beitragen kann, ist weitaus das Größte der Erwerb der Freunsdschaft.”
  • Adorno: “Leben das Sinn hätte, fragte nicht danach. Vor der Frage flüchtete es.”
    Besten Dank für die konstruktiven Anmerkungen auch an @DerEgregant (Twitter), http://egregantius.wordpress.com/

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