Welche Moral soll gelten?

Ich habe am 04.01.2016 an einer philosophischen Diskussion zum Thema “Welche Moral soll gelten?” mit dem Referenten Markus Melchers teilgenommen.
Hier ist mein persönliches Protokoll:

Die Diskussionsrunde wurde mit folgenden drei Zitaten eingeleitet:

  • Theodor Adorno: “Der Blick auf mögliche Vorteile ist der Todfeind der Bildung menschenwürdiger Beziehungen überhaupt.”
  • Nicolas Gomes Davila: “Die Menschen teilen sich in jene, die sich die beharlich die Ungerechtigkeiten von heute zu nutzen machen und in jene, die sich die von morgen zu nutzen machen möchten.”
  • Oscsar Wilde: “Moral ist die Haltung die wir Leuten gegenüber einnehmen, gegen die wir eine persönliche Abneigung haben.”

Folgende Stichpunkte sind von mir so verstandene Zitat- und Gedankenschnipsel aus der Diskussion:

  • Wer bestimmt welche Moral gelten soll, wer legt das fest, wer wacht darüber,…?
  • Moral ist eine Ansammlung von Regeln, die sich eine Gesellschaft gibt.
  • Moral beruht auf Werten, inneren Einstellungen.
  • Moral spiegelt das Sittenbild einer Kultur wieder.
  • Moral entwickelt sich.
  • Verschiedene Moralen konkurrieren.
  • Im Menschen gibt es ein Bewusstsein für Gut und Böse, welches die Moral vor gibt.
  • Der kategorische Imperativ gibt Moral vor.
  • Der Kapitalismus gibt auch eine Moral vor.
  • Moral bedeutet sprachlich, dass Gruppen angeschaut und deren Regelwerke betrachtet werden.
  • Ethik begründet die Moral, erklärt warum sie gilt.
  • Im Englischen wird nicht zwischen Moral und Ethik unterschieden. Dort gibt es nur moral rules und moral principles.
  • Konrad Apel: Es gibt rationale Moralen, die rechtfertigen warum Menschen z.B. zurückgelassen werden. Aber sie gelten oft nur für einzelne Gesellschaften.
  • Deswegen kann auch nicht gesagt werden, dass Abtreibung, Sterbehilfe, Ein-Kind-Politik,…. (nicht-) moralisch wären.
  • Die Würde des Menschen ist unantastbar. Diese Moral ist im Grundgesetz vorhanden.
  • Beispiele für Moralen in Deutschland: katholische, evangelische, muslimische, Nazionalsozialistische, ….
  • Das Gewissen meldet sich (normalerweise) dann, wenn man sich seiner eigenen oder einer anderen Moralen zuwider handelt.
  • Die meisten Politiker wollen Menschen zu einer bestimmten Moral erziehen.
  • Ähnliche Begriffe, die in der Nähe von Moral angesiedelt sind: Sitte, Ethik, Werte, Regeln,…
  • Moral bezieht sich auf die Praxis, Ethik auf die Theorie.
  • Wir kommen nicht mit Moral auf die Welt.
  • Kleine Kinder, so zeigen Experimente, sind von Grund auf Hilfsbereit, heben heruntergefallene Gegenstände auf und reichen sie dem Erwachsenen. Dies machen sie so lange, bis sie lernen, dass es eine Belohnung dafür gibt. Das hat aber nichts mit Moral zu tun.
  • Es gibt Menschen die moralisch leben (weil sie Regeln befolgen),  aber keine Moralität (Ethik) haben (weil sie sich nicht selbst hinterfragen).
  • Bei der Arbeitsmoral, Kampfmoral,… werden Pflichten erfüllt.
  • Der Mensch kann im Gegensatz zum Tier Instinkten widerstehen und einer Moral folgen, die ihm selber Nachteile bringt. Er ist Entscheidungsfähig.
  • Wo kommt die Moral her???
    • (Diese Frage konnte an dem Abend nicht für mich zufriedenstellend beantwortet werden. Die Quelle der Moral bleibt für mich in vielen Fällen mystisch.)
  • Es bedarf einer mindestanzahl von Neuronen um Ethikfähig zu sein.
  • Ist Intelligenz nur auf Neuronen beschränkt? Nicht zwingend, aber moralisches Verhalten ist im Tierreich nicht mit einer Theorie nachzuvollziehen.
  • Es wurden mehrere Beispiele aus dem Tierreich genannt, die moralisches Verhalten vermuten lassen, aber beweisen lässt sich dass derzeit nicht.
  • Nur freie Wesen haben das Problem der Moral und Ethik.
  • Freiheit muss Regeln unterworfen sein, sonst wäre es Willkür.
  • Michael Pauen und Gerhard Roth forschen am freien Willen und haben ein kleines Buch über Schuld und freien Willen geschrieben (http://www.amazon.de/Freiheit-Schuld-Verantwortung-naturalistischen-Willensfreiheit/dp/351826012X)

Und hier die Abschlusszitate:

  • Immanuel Kant: “Die größte moralische Vollkommenheit eines Menschen ist seine Pflicht zu tun.”
  • Gert Bucerius: “Es kann schon schwierig werden, wenn lauter ehrliche Leute ganz offen miteinander reden.”