Was unsere Gesellschaft (noch) zusammen hält

Ich habe am 5.01.2015 an einer philosophischen Diskussion zum Thema “Was unsere Gesellschaft (noch) zusammenhält” mit dem Referenten Markus Melchers teilgenommen.
Hier ist mein persönliches Protokoll:

Die Diskussionsrunde wurde mit folgenden drei Zitaten eingeleitet:

  • Thomas Hobbes: “Deshalb muß man anerkennen, daß der Ursprung aller großen und dauernden Verbindungen der Menschen nicht in gegenseitigem Wohlwollen, sondern in gegenseitiger Furcht bestanden hat.”
  • Sieghard Nickel: “In Deutschland wird jeder Verteilungskonflikt um Ehre, Ansehen und Geld stets mit persönlicher Missgunst verwechselt.”
  • Peter Rosecker: “Oaner is a Mensch, mehra sein’s Leut, viel sein’s scho Viecher. ” (Einer ist ein Mensch, mehrere sind Leute, viele sind schon Viecher.)

Folgende Stichpunkte sind von mir so verstandene Zitat- und Gedankenschnipsel aus der Diskussion:

  • Unsere Gesellschaft ist heterogen, besteht aus vielen Gruppen.
  • Es gibt gesellschaftliche Übereinkünfte, die uns zusammenhalten.
  • Hegel fordert, dass die sittlichen Übereinkünfte auch gelebt werden müssen.
  • “Ein Volk, ein Reich, ein Führer.”
  • Wohlwollen hält die Gesellschaft zusammen.
  • Beispiel für Peter Roseckers Zitat: Wenn mehrere schlecht gelaunte Leute zusammen sitzen, dann wird schnell jemand (außerhalb der Runde) gefunden, der an allem Leid schuld ist. Man befindet sich dann in gleicher Gesellschaft, die zusammenhält.
  • Bürgerliches Engagement, Ehrenamt,… hält die Gesellschaft zusammen.
  • Geld (Wirtschaft) hält die Gesellschaft zusammen. (“Und wovon willst du leben?”)
  • Natürliches wie Sprache, Gegend, Natur hält die Gesellschaft zusammen, aber auch Künstliches wie Geld, Religion, Regeln, Werte,…
  • Die Gesetze halten die Gesellschaft zusammen.
  • Beim Wirtschaftswunder arbeiteten die Menschen an dem gemeinsamen Ziel, nämlich wieder auf die Beine zu kommen.
  • Hegel: Wenn es allen schlecht geht, aber wir durch Kooperation uns verbessern können, hat man einen Notstaat.
  • Starke Feindbilder halten die Gesellschaft zusammen.
  • Die Gleichgültigkeit, Bequemlichkeit, Faulheit gefährdet die Gesellschaft.
  • Eine Gemeinschaft ist eine Gruppe von Menschen, die eine Überzeugung teilen, wie z.B. Christen. In einer Gesellschaft können verschiedene Überzeugungen vertreten sein.
  • Kurt Beck: Moderne Gesellschaften erzeugen auch Risiken.
  • Wo sind die Grenzen zwischen den Gesellschaften? Beispiel: Saudi Arabien lebt in einer “pre-modernen Gesellschaft”.
  • Westliche Werte halten unsere Gesellschaft zusammen.
  • Hobbes: Der Mensch ist aus Angst getrieben, die Gesellschaft zu gründen.
  • Kant: Menschen kommen aus freien Stücken in eine Gesellschaft.
  • Ziel der Erziehung ist, dass der Erzogene ein Mitglied der Gesellschaft wird.
  • Ausdifferenzierung ist ein Merkmal einer modernen Gesellschaft. Streitigkeiten dürfen öffentlich ausgetragen werden.
  • Hegel, Lock, Adam Smith: Gesellschaften bilden sich durch Kooperationen.
  • Der Mensch ist auf Gedeih und Verderb ein Gesellschaftswesen.
  • In vormodernen Gesellschaften gab es immer eine Antwort, in moderenen Gesellsschaften gibt es mehrere Antworten. (Habermas: Das Ende der Übersichtlichkeit).
  • Habermas und Charles Tailor haben Angst vor Werteverlust (nicht “Wertewandel”). Verdrossenheit könnte die Gesellschaft implodieren lassen.
  • In unserer modernen Gesellschaft sind wir “Hochleistungs-Individuen”. Jeder von uns hat viele Rollen (Vater, Arbeitnehmer, Ehemann, Hausmeister, Ehrenamtler, …). Moderne Existenz ist anstrengend.
  • Es gibt ein großes “Spannungsverhältnis” zwischen unserer theoretischen Anforderung an unser moralisches Verhalten und dem Umsetzen. Man nennt es euphemistisch “Motivationslücke”. Eine der Ursachen dafür ist die Überforderung durch die vielen Themen, die unser modernes Leben beeinflussen. Man kann sich nicht um alles kümmern (Atommüll, Armut, falsche Politik, Ausländerhass, …) Siehe dazu auch mein Comic “Die Suche nach dem Bösen“.

Und hier die Abschlusszitate:

  • Thomas Rentsch: “Eine Person allein kann kein würdiges Leben führen, wenn sie dies nicht allen anderen zugesteht.”
  • Oscar Wilde: “Mit der Gesellschaft zu leben – welche Qual! Aber außerhalb der Gesellschaft zu leben – welche Katastrophe.”

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