Was heißt, mit sich im Reinen sein?

Ich habe am 13.04.2015 an einer philosophischen Diskussion zum Thema “Was heißt, mit sich im Reinen sein?” mit dem Referenten Markus Melchers teilgenommen.
Hier ist mein persönliches Protokoll:

Die Diskussionsrunde wurde mit folgenden drei Zitaten eingeleitet:

  • De Fontenelle: “Das größte Geheimnis des Glücks ist, mit sich selbst im Reinen zu sein.”
  • John Stuart Mill: “Das Vergnügen der Selbstzufriedenheit hängt in der Mehrzahl der Fälle von der Meinung anderer ab.”
  • Ludwig Marcuse: “Aus der Selbstbeobachtung gewonnene Wahrheiten sind weniger eine Sache des Scharfsinns als des Mutes.”

Folgende Stichpunkte sind von mir so verstandene Zitat- und Gedankenschnipsel aus der Diskussion:

  • Diese Frage ist eine absolute Frage, die man sich vielleicht im Sterbebett stellt.
  • Was hat man eigentlich mit seinem Leben gemacht?
  • Die Tat die ich begangen habe musste so sein, auch wenn andere das anders sehen.
  • Als Perfektionist hat man es schwer mit sich selbst ins Reine zu kommen.
  • Wer nicht mit sich ins Reine kommt, braucht einen von außen, der einen reinigt. Das kann auch Gott sein.
  • Jesus ist dafür gestorben, dass wir vor Gott ins reine kommen.
  • Hitler war auch mit sich im Reinen, weil er aus seiner Sicht das Richtige getan hat.
  • Paulus war mit sich Reinen.
  • Wenn ich Dinge mit gutem Gewissen gemacht habe, bin ich selber mit mir im Reinen.
  • Jeder von uns macht Fehler.
  • Wann stelle ich mir diese Frage eigentlich, täglich oder erst am Lebensende?
  • Wann bin ich nicht mit mir im Reinen? Was muss dafür passieren?
  • Wenn einem etwas tagelang nach geht, dann ist er nicht mit sich im Reinen.
  • Ist man nach der Beichte mit sich im Reinen?
  • Es hängt mit den kulturellen Anforderungen zusammen, ob man bei einer Tat mit sich im Reinen ist. Wenn ein Isis-Kämpfer einen Christen köpft, ist er mit sich im Reinen, wenn ich das täte, wäre ich es nicht.
  • Ist einer, der nicht denkt, auch mit sich im Reinen? Ich denke ja. Nur einer der ein Wertesystem hat und dem durch seine Tat widerspricht, ist in der Lage nicht mit sich im Reinen zu sein.
  • Synonyme für “mit sich im Reinen sein” gibt es nicht wirklich. “Selbstzufriedenheit”, “Selbstakzeptanz”, “Selbstabsolution”, trifft es nicht ganz.
  • Selbstabsolution bedeutet sich selbst rein zu waschen.
  • Ein Katholik der beichtet, muss erst von Herzen seine Tat bereuen, bevor ihn der Priester, im Auftrag Gottes, von seiner Schuld befreien kann.
  • Priester, Psychologen, Psychiater verdienen ihr Geld damit, Leute wieder ” ins Reine” zu bringen.
  • Vielleicht ist es nur ein Zufall, dass die meisten aus der Diskussionsrunde mit sich im Reinen sind, weil wir hier in einer größtenteils friedlichen Umwelt groß geworden sind.
  • In einigen gläubigen Haushalten werden die Kinder dazu gebracht, abends eine “Gewissenserforschung” durchzuführen, also zu überprüfen, ob sie mit sich im Reinen sind.
  • Seneca sprach auch davon, unsere Ethiken zu hinterfragen.
  • Wie weit entspreche ich den Anforderungen, die an mich gestellt werden (Familie, Partner, Staat, Beruf, Kirche,… Und meine eigenen Anforderungen)?
  • Wenn ich meine Machtlosigkeit akzeptiere, kann ich auch mit mir ins Reine kommen.
  • In Tragödien kann der Protagonist nur zwischen Pest und Cholera entscheiden.
  • Gewissen und Moral sind kein Maßstab um mit sich ins Reine zu kommen.
  • Prüfer, Überprüfer und Sachverständiger sind wir selbst, wenn wir uns “rein” sprechen. Dies widerspricht aber der Gewaltenteilung von Montesquieu.
  • Wenn “ich” mit “mir” im Reinen bin, wer ist dann das Subjekt und das Objekt?
  • Karl Kraus: Psychoanalyse ist das Heilmittel für die Krankheit, die sie selber ist.
  • Das Abfinden mit unabänderlichen Dingen macht einen ruhig.
  • Jemand, der mit sich im Reinen ist, hat kein Trauma.
  • Die monotheistischen Religionen, aber auch der Kanntsche Maßstab (des kategorischen Imperativs) überfordern unsere Moral.
  • Wo kommt Meinung her? Erziehung, Literatur, Medien … Daraus baue ich mir meine Ethik und wenn ich der entspreche, bin ich mit mir im Reinen.
  • Esther Vilar: „Je weniger Intelligenz einer hat, desto weniger bemerkt er den Mangel, desto selbstsicherer fühlt er sich. “

Und hier die Abschlusszitate:

  • Christian Morgenstern: ” Jeder Mensch ist ein neuer Versuch der Natur, über sich ins Reine zu kommen.”
  • Peter Sirius: “Wer immer unzufrieden mit den anderen ist,
    leidet gewöhnlich an zu großer Selbstzufriedenheit.”
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One Response to Was heißt, mit sich im Reinen sein?

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