Sprache und Wahrheit

Ich habe am 3.02.2014 an einer philosophischen Diskussion zum Thema “Sprache und Wahrheit” mit dem Referenten Markus Melchers teilgenommen.
Hier ist mein persönliches Protokoll:
Die Diskussionsrunde wurde mit folgenden drei Zitaten eingeleitet:
  • Immanuel Kant: “Alle Sprache ist Bezeichnung der Gedanken.”
  • Galileo Galilei: “Das Buch der Natur ist mit mathematischen Symbolen geschrieben. Genauer: Die Natur spricht die Sprache der Mathematik: die Buchstaben dieser Sprache sind Dreiecke, Kreise und andere mathematische Figuren”
  • Günter Ogger: “Deutsche Wirtschaftslenker nehmen auch den größten Schwachsinn für bare Münze, sobald er nur im elitären Businessenglisch über den Atlantik schwappt.”

Folgende Stichpunkte sind von mir so verstandene Zitat- und Gedankenschnipsel aus der Diskussion:

  • Mit Sprache kann man sowohl Lüge als auch Wahrheit ausdrücken.
  • In der Sprache und Grammatik kann man unterschiedliche Wahrnehmungen ausdrücken.
  • In New York kommt man mit 200 verschiedenen Wörtern aus, ein Inuit hat einen Wortschatz von ca. Einer Millionen.
  • Gibt es nichtsprachliche Wahrheiten? (spontane Reaktion der meisten Teilnehmer war: “Ja”)
  • Die Körpersprache ist auch eine Wahrheit.
  • Die Sprache ist ein unvollständiges Spiegelbild der Wirklichkeit. Sie zeigt (mit Wörtern, Symbolen,…) auf die Realtiät.
  • Sprache ist eine Einigung um einen Gegenstand zu bezeichnen. Sie ist davon abhängig, worauf sich die Klutur geeinigt hat. So hat z.B. irgendwann ein Neandertaler zu einem wolligen Säugetier “Hund” (oder was auch immer) gesagt und alle wussten danach was er meinte, wenn er das Wort nutzte.
  • Wir haben hier in unserem philosophischen Cafe schon oft erlebt, dass unsere Gedanken an der Sprache scheiterten.
  • Wittgenstein: “Worüber man nicht sprechen kann, darüber sollte man schweigen.”
  • Wie würden wir denken, wenn wir nicht sprechen könnten?
  • Gemalte Bilder sind auch eine Form der Sprache.
  • Die Ägypter hatten noch in Ihrer  Sprache Gegensätze (Altus=hochtief), aber auch die Bilder waren aspektivisch gemalt.
  • Sprache ist nicht in der Lage Wahrheit genau zu transportien.
  • Die Wahrheit ist die Vorstellung von der Realität.
  • Die Sprache versucht  die Vorstellung der Realität zu wecken.
  • Zwischen Wahrheit und Lüge gibt es einen Graubereich.
  • Die Klärung der Ausdrücke, die die Menschen verwenden, ist das Geschäft der Philosophie.
  • Im Wort ist auch immer ein Urteil enthalten, es ist mehr als nur der Zeichencharakter. (Allein schon durch die Auswahl des Wortes und des Themas. Aber auch durch Stimme, Ausdruck und Mimik.)
  • Zur Wahrheit gehört auch immer der Kontext, der Hintergrund. Bsp.: Die Aussage “draußen ist es um 24 Uhr dunkel” ist dann richtig, wenn mein Gegenüber mit “draußen” den Garten meint. Aber sie ist falsch, wenn er mit “draußen” das Weltall meint.
  • Hermeneutik: Auslegung des Wortes. (Siehe auch Auslegung des Heiligen Wortes)
  • Jedes Wort kann mehrere Bedeutungen haben (Teekesselchen).
  • Wie  muss eine Sprache gebaut sein um  Realitätserkenntnis zu gewährleisten?
  • Wittgenstein unterscheidet zwischen dem Sagbaren und dem Zeigbaren.
  • Das Zeigbare ist das Mythische.
  • Wie beschreibt man die Gefühle die man hat, wie man auf Musik reagiert, wie sich Schmerzen anfühlen?
  • Um die Natur zu beschreiben reichen alle Sprachen der Welt nicht aus?
  • Die römische Sprache war (im Vergleich zu “flachen” Sprachen) geeignet ein Weltreich zu gründen. Sie kannten plötzlich Hierarchien, Möglichkeiten zu organisieren,…
  • Für Rethoriker ist die Sprache ein Machtmittel, eine Waffe.
  • Für Sprachwissenschaftler ist die Sprache die sekundäre Form der Kommunikation.
  • Ende des 19. Jahrhunderts haben die Philosophen versucht die Sprache neu zu interpretieren, zu analysieren. Sie haben erkannt, dass die anderen Naturwissenschaften deutlich präziser waren als sie, weil sie eine Eigensprache hatten.
  • Gottlob Frege: “Der Morgenstern ist der Abendstern.” Dieser Satz ist wahr, aber logisch falsch.
  • Sprache erhebt einen Richtigkeitsanspruch.
  • Sprache hat immer Absichten, ist intentional bzw. normativ, ist Ausdruck von moralischen Forderungen (Jürgen Habermas).
  • Es gibt Dinge in der Welt, die falsch wären, wenn ich sie wissenschaftlich erzählen würde, z.B. das Verliebtsein.
  • Die Wissenschaftler sprechen mit der Mathematik, die Künstler mit Musik, Bildern Theater,…, die Philosophen mit Sprache.
  • Die erfolgreichste Unternehmung der letzten hundert Jahre in der Philosophie ist die analytische Philosophie. Philosophen stellen jetzt die Fragen präziser an die Wissenschaftler.
  • Sprache und Wahrheit verhalten sich so wie der Ort und der Impuls bei der Heisenbergschen Unschärferelation: Je genauer ich das eine definiere umso ungenauer ist das andere.
  • Der Turmbau zu Babylon war ein überzogenes Projekt, welches scheiterte und eine Sprachverwirrung zurück lies (Dies erinnert mich irgendwie an meine Arbeit ;-)).
  • Die meisten Sätze sind nicht wahr ober falsch, sondern unsinnig (Wittgenstein).
  • Es gibt viele Themen der Philosophie wie Methaphysik, Glaube,… die in der Philosophie nicht mehr behandelt werden, weil man nicht darüber sprechen kann.
  • Das was eine Gesellschaft über sich kommuniziert, das ist sie auch. Es gibt keinen Punkt außerhalb der Gesellschaft um die Gesellschaft zu beschreiben. – Luhmann
  • Willard_Van_Orman_Quine stellt sich vor, dass zwei Weiße sich von einem Buschmann durch Afrika führen lassen und plötzlich ein weglaufendes Tier sehen. Der Buschmann sagt daraufhin “Gavagai”. Nun interpretieren die beiden die Aussage des Buschmannes. Heist es nun “weglaufen?” oder “Tier” oder “Gefahr” oder “Frühstück”? Oder ist es gar ein singulärer Term?
  • Singuläre Terme: Etwas was nur einmal in der Welt vor kommt. Z.B. jedes Individuum.
  • Wittgenstein versuchte mit dem Sprachspiel “Käfer in der Schachtel” die Spielregeln der Sprache zu verdeutlichen.
  • Laut Wittgenstein gibt es keine Privatsprache, weil man immer nach den Regeln der Gesellschaft spielen muss.
  • Wittgenstein behauptet dass es keinen objektiven Schmerz gibt. Dies ist aber heute widerlegt.

Und hier die Abschlußzitate:

  • Ludwig Wittgenstein: “Die Philosophie ist ein Kampf gegen die Verhexung unseres Verstandes durch die Mittel unserer Sprache.”
  • G. Vicos: “Wahres und Gemachtes fallen ineinander.”
  • Søren Kierkegaard „Die Menschen haben, wie es scheint, die Sprache nicht empfangen, um die Gedanken zu verbergen, sondern um zu verbergen, daß sie keine Gedanken haben.“

One Response to Sprache und Wahrheit

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