Rituale

Ich habe am 07.12.2015 an einer philosophischen Diskussion zum Thema “Rituale” mit dem Referenten Markus Melchers teilgenommen.
Hier ist mein persönliches Protokoll:

Die Diskussionsrunde wurde mit folgenden drei Zitaten eingeleitet:

  • David Hume: “Die Gewohnheit ist die große Führerin im Leben.”
  • Salman Rushdie: “Jede Gewohnheit lässt sich ändern.”
  • Ambrose Bierce: “Gewohnheit ist die Fessel der Freien.”

Folgende Stichpunkte sind von mir so verstandene Zitat- und Gedankenschnipsel aus der Diskussion:

  • Gewohnheiten lassen sich für die meisten doch schwer ändern.
  • Rituale sind Brauchtum, oftmals auf kirchliche Dinge bezogen.
  • Rituale sind geplante Inszenierungen, insbesondere um Menschen zu synchronisieren und auf Ereignisse vorzubereiten. Beispiel: Lieder und Liturgie in der Kirche bereiten auf die Predigt vor.
  • Es gibt viele Rituale im Alltag, z.B. Hände schütteln.
  • Rituale haben eine sozialen Bezug, Gewohnheiten eher nicht.
  • Gewohnheiten laufen reflexartig ab, im Trott, Rituale werden bewusst ausgeführt.
  • Früher dienten Rituale der Kontrolle.
  • Bei den Urvölkern gibt es “Mannbarkeitsrituale”.
  • Wenn man etwas regelmäßig macht, muss es weder eine Gewohnheit noch ein Ritual sein, sondern kann auch ein Zwang sein. Z.B. Fahrkarten kaufen, bei rot stehen bleiben,…
  • Manchmal ist dieser Zwang auch krankhaft.
  • Am Anfang macht man etwas bewusst. Wenn man sich daran gewöhnt hat, ist es Gewohnheit geworden.
  • Rituale können auch persönlich, individuell sein, z.B. das Badeverhalten des Autors am Sonntagnachmittag.
  • Ein Ritual ist eine wiederkehrende Handlung, die sich Innerhalb einer Kultur eingebürgert hat.
  • Es gibt auch (zumindest für den betroffenen) einmalige Rituale, z.B. Beerdigung.
  • Der Wortursprung kommt von “richtiges tun”.
  • Ritus heißt bei Cicero ein “Opfer auf die richtige Art und Weise darbringen”
  • Bei einer Zeremonie sind dann auch noch Zuschauer dabei.
  • Habitus bedeutet Gewohnheit.
  • Viele Rituale sind an einen Sinn und damit an eine Wahrheit gebunden.
  • Rituale werden bewusst vollzogen.
  • Das Badewannenbeispiel ist genau so ein Ritual wie eine katholische Kirchenmesse, weil es nur für die(den) Beteiligten gültig ist.
  • Es gibt auch Sitten, die nicht unbedingt ein Ritual oder eine Gewohnt sein müssen.
  • Ein Handschlag ist ein abgespecktes Begrüßungsritual einer historischen Handlung um Rang und Stärke festzustellen aber auch zu zeigen, dass man unbewaffnet ist.
  • Rituale haben einschließenden und ausschließenden Charakter. Und damit auch Macht.
  • Sitte, Brauchtum, Gewohnheit, Umgangsformen, Protokolle, Nomenklaturen sind alle etwas anderes als oder nur ein Teilaspekt von Ritualen.
  • Man wird nicht zum Muslim, wenn man nur die äußerlichen Formen nachvollzieht.
  • Leere Rituale verkommen zur Gewohnheit.
  • In politischen Protokollen werden hauptsächlich Macht,- Status-, und Rangfragen geklärt.
  • Rituale sind Glaubensbekenntnisse
  • Nur wer authentisch das Ritual ausführt, hat die dahinterstehende Wahrheit gefunden.
  • Brauchen wir in einer Entgötterten Welt weiterhin Rituale (Max Weber fragt das)?
  • In der postmodernen Welt gibt es rationale Formen der Rituale, also Sitten, die einen sozialen Sinn haben.
  • Niklas Luhmann: Rituale sind Techniken mit denen man das Reflexiv werden der Kommunikation erfolgreich verhindern kann.
  • Wenn man dazu gehören will, muss man die Rituale übernehmen.
  • Man sollte Rituale klassifizieren:
    • Verhalten
    • Vorstellungswelt
    • Stabilisierung von politischen Institutionen
    • Stabilisierung von sozialen Strukturen
    • Transhumane Prozesse
    • Sterbeprozesse

Und hier die Abschlusszitate:

  • Niklas Luhmann: “Ritualisierungen (…) übersetzen externe Ungewißheiten in einen internen Schematismus, der nur stattfinden oder nicht stattfinden, aber nicht variiert werden kann und dadurch die Fähigkeiten zur Täuschung, zur Lüge, zu abweichendem
    Verhalten neutralisiert.”
  • Niklas Luhmann: “Rituale schaffen Umwelt unabhängige Gewissheiten” (Für die Zeit wo ein Ritual gilt, gilt die Außenwelt nicht).