Muße

Ich habe am 4.02.2013 an einer philosophischen Diskussion zum Thema “Muße” mit dem Referenten Markus Melchers teilgenommen.
Hier ist mein persönliches Protokoll:
Die Diskussionsrunde wurde mit folgenden drei Zitaten eingeleitet:

  • Arthur Schopenhauer: “Der geistreiche Mensch wird vor allem nach Schmerzlosigkeit, …, Ruhe und Muße streben,…”
  • Blaise Pascal: “Nichts ist so unerträglich für den Menschen, als sich in einer vollkommenen Ruhe zu befinden, ohne Leidenschaft, ohne Geschäfte, ohne Zerstreuung, ohne Beschäftigung.”
  • Volksmund: “Müßiggang ist aller Laster Anfang.”

Folgende Stichpunkte sind von mir so verstandene Zitat- und Gedankenschnipsel aus der Diskussion:

  • Muße und Müßiggang sind zwei verschiedene Dinge.
  • Ist Müßiggang Faulheit?
  • Woran erkennt man den Unterschied?
  • Wer in sich gekehrt ist kann hoch aktiv sein. Es kommen gute Gedanken.
  • Muße ist ein Teil der Abwechslung zur Arbeit (Ying Yang). Wer nur Muße betreibt ist müßig.
  • Muße kann man nicht nutzen (auch nicht zur Erholung). Muße und Nutzen sind diametrale Wörter.
  • Muße ist freie, selbst bestimmte Zeit, verbunden mit einer Entschleunigung.
  • In der Muße entsteht (manchmal) etwas Neues.
  • Muße war früher nur einer bestimmten Klasse vorbehalten.
  • Die Pietisten verdammten den Müßiggang.
  • Eine Tätigkeit in Muße ausgeführt macht Spaß.
  • Muße heißt heute “chillen”.
  • Scolae (Schule) ist das altgriechische Wort für Muße.
  • Die Römer machten aus der Schule wieder einen Ort zum Lernen für das Leben (und nicht zum Selbstzweck).
  • Muße ist ein Öffnen des Geistes. Es erscheinen aus dem Nichts Ideen. Man wird kreativ.
  • Die Muße ist ein Bereich, der auf der einen Seite durch Aktivitäten, auf der anderen Seite durch nichts tun/Langeweile begrenzt ist.
  • Muße ist die Zeit die ich mir nehme um mich auf etwas einzulassen.
  • Die Stoiker hatten als Idealbild die seelisches Ausgeglichenheit, ein ebenes Meer, einen Zustand in dem man Muße hat.
  • Muße haben bedeutet frei zu sein von äußeren Zwängen.
  • Muße ist eine Vorbedingung um Philosophie betreiben zu können (Platon).
  • Ein Tyrann wird alles daran setzen, dass sein Volk keine Zeit für Muße hat. Bildung ist auch Muße.
  • Ideologische Systeme und Religionen nehmen den Leuten auch das Denken ab.
  • Ideologien lassen keinen Freiraum für eigene Gedanken.
  • Mittagsdämon:
    • Ihm waren im Mittelalter die Mönche in der Mittagspause ausgesetzt.
    • Aussetzen der Selbstkontrolle (heute: innerer Schweinehund).
    • Man fällt aus der Vita Contemplativa in den Müßiggang.
    • Er erscheint in den Zeiträumen, die nicht geregelt sind.
    • Der Mittagsdämon ist um so wirksamer, je lebensfremder das Zwangssystem.
  • Der Römer Seneca musste in seinen Urlauben immer Muße-Produkte (Gedichte, Texte) erzeugen.
  • Das Rahmenprogramm für Muße kann man planen. Z.B. störungsfreien Raum schaffen.
  • Der Wortursprung von “Muße”, “müssen” und “dürfen” ist derselbe (muozea). In der Muße darf ich, muss aber nicht.
  • Freizeit ist nicht zwingend Muße. Fehrnsehen, Lesen, Ablenken lassen, Schlafen,… zählen nicht dazu.
  • Das Bewusstsein meiner Selbst + Raum für geistige Inspiration ist Vorraussetzung für die Muße.
  • Diese Philosophische Diskussion ist auch ein Ort der Muße.
  • Ein gutes Gespräch mit einem Freund ist ein Ort der Muße.
  • Meditation ist eine geübte Technik und keine Muße.
  • Laut Aristoteles, Nietzsche und Schopenhauer ist Muße nur etwas für die Elite, für die Freigeister. Muße und (irgendwann) Arbeit schließen sich aus.
  • Diese Philosophische Diskussion ist demnach kein Ort der Muße, sondern der Geselligkeit.
  • Demnach müssten wir heute den Begriff Muße streichen, er läßt sich nicht in unsere heutige Lebenswelt Übersetzen.
  • Das ursprüngliche Wort wäre damit heute leer geworden.
  • Es wurde ersetzt durch Freizeit, Kontemplation, Meditation, wissenschaftliches Arbeiten, philosophieren,…
  • Nein, den Begriff gibt es wohl noch. Man könnte es wie folgt umschreiben:
    • Eine fröhliche Selbstreflexion, wo sich der Sinn in der Mitte der Person sammelt.
    • Eine Raumzeit der Geborgenheit, schmerzlosigkeit, Besänftigung und des Erkenntnisgewinnes.
  • (These: In der Muße wird Oxitoxin erzeugt ;-))
  • Der Zeitraum für Muße muss erstritten wurden.

Schlusszitate:

  • Aristoteles: “Wir sind tätig, damit wir Muße haben können.”
  • Karl Heinrich Waggerl: “Muße ist das Kunststück, sich selbst ein angenehmer Gesellschafter zu sein.”
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3 Responses to Muße

  1. Pingback: Muße | Greensniper

  2. Heinz Mertens says:

    Ich war dabei! Gut beobachtet und gut wiedergegeben.
    Nur, das Religionen dem Menschen das Denken abnehmen???
    Religionen fordern geradezu das Denken heraus!

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