Mitleid

Ich habe am 2.09.2013 an einer philosophischen Diskussion zum Thema “Mitleid” mit dem Referenten Markus Melchers teilgenommen.
Hier ist mein persönliches Protokoll:
Die Diskussionsrunde wurde mit folgenden drei Zitaten eingeleitet:
  • Herder: “Im Grad der Tiefe unses Selbstgefühls liegt auch der Grad des Mitgefühls mit anderen.”
  • Lichtenberg: “Mitleid ist eine starke Empfingung der sich so viele rühmen. Sie ist nur allzu oft die Folge eines Verfalls der Verstandesgrenze.”
  • Nietzsche: “Mitleid ist die Tugend der Freudenmädchen.”
Folgende Stichpunkte sind von mir so verstandene Zitat- und Gedankenschnipsel aus der Diskussion:
  • Bei Mitleid sollte man nicht den Verstand einschalten sondern ausschalten.
  • Mitleid kann man nur mit einem lebendigem Geschöpf haben.
  • Mitleiden ist nicht zwangsläufig “mit leiden”, sondern eher so was wie “erbarmen”. Siehe: Albert Schweizer, Mutter Teresa, …
  • Mitleid hat etwas mit der Menschenwürde zu tun.
  • Würde jeder Arzt mitleiden, könnte er seinen Job nicht professionell durchführen.
  • Es gibt auch Ärzte die ihren Beruf aus Sadismus gewählt haben (sind aber zum Glück die Ausnahme).
  • Menschen mit Asberger-Syndrom können kein Mitleid haben.
  • Mitleid gibt es in mehreren Formen:
    • Das spontane Empfinden zu helfen (z.B. jemanden aufrichten, der gefallen ist)
    • Das überlegte Empfinden zu helfen (z.B. Spenden)
  • Muss Mitleid erlernt werden?
  • Mitleid kann aber verlernt werden (z.B. nach traumatischen Erfahrungen).
  • Was ist das Gegenteil von Mitleid? Agression? Sadismus? Oder eher Egal-sein?
  • Kinder haben bis zu einem gewissen Alter kein Mitleid.
  • Aber es scheint so, dass schon Kinder im Alter von einem Jahr Mitleid/Mitgefühl haben können.
  • Man kann auch Mitleid mit Personen haben, die aber gar nicht leiden.
  • Mitleid wird in Medien (zumeist Fernseher) oft ausgenutzt um (politisch, finanziell) zu manipulieren.
  • Mitleid bedeutet auch, dass man jemanden gut leiden kann.
  • Wenn ich mich engagiere, dann muss ich mich auch fragen, warum ich das tue. Tue ich es, um der Starke vor dem Schwachen zu sein?
  • Nietzsche: Mitleid ist etwas für die Schwachen.
  • Mitleid ist nur beim Homo Sapiens möglich.
  • Stefan Zweig: Mitleid ist die Ungedult des Herzens.
  • Wenn man hilft, belohnt einen das Gehirn.
  • Spiegelneuronen sind philosophisch unproblematisch.
  • Philosophisch problematisch ist, ob Mitleid ein Affekt ist oder nicht.
  • Man kann nicht mit jedem gleichermaßen Mitleid empfinden.
  • Mitleid ist zuerst affektiv und wird dann kognitiv.
  • Platon: Mitleid steht der Gerechtigkeit entgegen, denn Mitleid ist nicht vernünftig.
  • Kant: Im Alltag sollten wir Mitleid kultivieren. Aber für eine allgemeine Ethik taugt Mitleid nicht.
  • Thomas Hobbs: Mitleid ist ein Geschäftsverhältnis: Ich helfe dir und du hilfst mir.
  • Rossou: Mitleid ist die einzige menschliche Tugend.
  • Motivationsproblem: Der Mensch weis was ethisch korrekt ist und tut es aber nicht.
    • Ich vermute, es liegt an der geistigen Nähe. Wenn ich jemanden leiden sehe, tut es mir auch weh, sehe ich es aber nicht, tut es auch nicht weh. Daher kaufe ich bedenklos Leberwurst, weil sich vor dem Kaufregal sehr gut verdrängen läßt, dass dafür jungen Ferkeln unbetäubt der Hoden rausgerissen wird.
  • Der barmherzige Samariter hatte Mitleid.
  • Schopenhauer: Mitleid habe ich mit allen Lebewesen, die Schmerz empfinden können (Wesensidentität aller Lebewesen). Das Ziel der Ethik sollte sein, Leiden zu minimieren.
  • Tom Reagan(?) (radikalster Tierschützer) fordert, wir sollten niemals irgend ein Tier töten.
  • Sokrates: Derjenige, der eine Einsicht hat, wird ihr auch folgen.
  • Aussage eines anwesenden Blinden: Ein Mitleidgeber sollte eher sagen: “Wie kann ich dir helfen” und nicht “Ich helfe dir jetzt”. Oftmals wird der Mitleidnehmer vom Mitleidgeber entmündigt.
  • Kategorischer Imperativ von Kant: Ich bin Vernunftbegabt und kann eine subjektive Ethikregel selber erstellen. Dann sollte ich prüfen, ob diese Regel für alle gelten sollte.
  • Markus Melchers: “Mitleid bezieht sich auf Menschen.”
  • Markus Melchers: “Mitleid ist prinzipiell handlungsorientiert.” Auch das Wegschauen (weil man eh nichts ändern kann) ist eine Handlung.
  • Wer aus Mitleid einen Menschen umbringt, der beendet in erster Linie sein Mitleid.
Schlusszitate:
  • Theodor Adorno: “Mitleid ist ein natürlicher Impuls, ein Gefühl der Sozialität in einem gequältem Körper.”
  • Epikur: “Wir wollen unser Mitgefühl für unsere Freunde zeigen. Nicht durch Klage, sondern durch Fürsorge.”
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