Macht Arbeit glücklich?

Ich habe am 06.06.2016 an einer philosophischen Diskussion zum Thema “Macht Arbeit glücklich” mit dem Referenten Markus Melchers teilgenommen.
Hier ist mein persönliches Protokoll:

Die Diskussionsrunde wurde mit folgenden drei Zitaten eingeleitet:

  • Blaise Pascal: “Nichts ist dem Menschen so unerträglich, als wenn er sich in vollkommener Ruhe befindet, ohne Leidenschaften, ohne Beschäftigungen, ohne Zerstreuungen, ohne Betriebsamkeit.”
  • Aristoteles: “Arbeit und Tugend schließen einander aus.”
  • Noel Coward: “Nichtstun macht nur dann Spaß, wenn man eigentlich viel zu tun hätte.”

Folgende Stichpunkte sind von mir so verstandene Zitat- und Gedankenschnipsel aus der Diskussion:

  • Wenn man nicht tätig sein kann wäre das für einige der Horror.
  • Arbeit und Beschäftigung sind zwei unterschiedliche Dinge.
  • Aristotleles: Nur der Philosoph kann glücklich sein.
  • Es gibt Arbeit die glücklich macht und Arbeit die dies nicht tut (Klo reinigen,….)
  • Glück ist kein Dauerzustand.
  • Wenn man “Glück” durch “Lebenszufriedenheit” ersetzt, wird die Frage einfacher mit “ja” zu beantworten.
  • Wenn man “Arbeit” durch “Beschäftigung” ersetzt, wird es noch leichter mit “ja” zu antworten.
  • Das primäre Ziel der Arbeit ist der Erwerbsunterhalt, Glück ist sekundär.
  • 64% der Bevölkerung sagt, dass Arbeit glücklich macht (wikipedia)
  • Arbeitslose sind meistens unzufrieden.
  • Arbeit ist antropologisch, nur Menschen arbeiten (Bienen machen das unbewusst und nicht planerisch)
  • Viele Menschen sind leidensbereit und ertragen auch schwere Arbeit, wenn sie entsprechend motiviert sind.
  • “Laborare” heist arbeiten und leiden.
  • Arbeit ist oft sozial und kommunikativ.
  • Sind wir schon bereit für das bedinungslose Grundeinkommen (BGE)? Die Schweiz offensichtlich nicht.
  • Als Helmut Schmidt in seiner Rente Bücher schrieb, hat er in unserem Sinne nicht gearbeitet.
  • Muße ist das Gegenteil von Arbeit, weil sie keinen Zwängen folgt.
  • Es gibt einen Unterschied zwischen geplanter Freizeit und Muße.
  • Wir sind heute kaum noch zur Muße fähig.
  • These von Gernodt Böhm: Arbeit ist heute keine vermögensschaffende Tätigkeit mehr. (Vermögen im Sinne von persönlichem Reichtum, weil der Durchschnittsmensch max. ein Haus erwirtschaften kann, was bei Herrn Böhm nicht zu “Vermögen” zählt.)
  • Es gibt die große Gruppe der nicht erwerbstätigen Harz 4 Empfänger, aber auch auf der anderen Seite der Gesellschaft gibt es nicht Erwerbstätige, nämlich die Erben reicher Leute. (Wer liegt der Gesellschaft mehr auf der Tasche?)
  • Der Mensch kann sich, im Gegensatz zum Tier, in seiner Muße zu einer “Not To Do Liste” entscheiden.
  • Planerisches, soziales, konstruktives Arbeiten ist dem Menschen immanent.
  • Nur ca. 6% der Bevölkerung will nicht arbeiten.
  • Unser Kapitalsystem hat eine dermaßen Vermögensmenge an Geld angehäuft, von dem nur ein Bruchteil in Waren umgetauscht werden kann.
  • 30% von allem was wir kaufen landen in den Taschen der ganz Reichen.
  • Es gibt nicht DIE Arbeit die glücklich oder unglücklich macht. Jeder hat andere Vorlieben.
  • Buchtipps:
    • “Utopia” von Thomas Morus
    • “Nova Atlantis” von Franzis Bacon
  • Auf der einen Seite gibt es immer weniger Kapital schaffende und gut bezahlte Arbeit und auf der anderen Seite gibt es immer weniger Arbeiter (weil sie im Vergleich zu den “Kapital-Kreativen” so wenig verdienen), die sich um die Belange der Menschen kümmern (Lehrer, Krankenschwestern, Altenpfleger,…)
  • “Entfremdete Arbeit”, von Hegel: Was passiert mit Menschen die sich aufgrund der Arbeit von sich selbst entfremdet haben?
    • Arbeit gehört unabdingbar zu einer modernen Gesellschaft.
    • Wer arbeitet hat Pflichten aber auch Rechte.
    • Wenn der Arbeiter nicht mehr schöpferisch ist, wird er entfremdet. (Der IT-Arbeiter schaltet morgens einen schwarzen Bildschirm ein und abends wieder aus.)
    • Wie muss Arbeit organisiert sein, um den Menschen so wenig wie möglich zu entfremden (Vergleichgültigung der Tätigkeit)?
  • Die Arbeit des einzelnen wird immer mehr, weil wir auch immer mehr an uns “arbeiten” (Freizeitplanung, Einkaufen, Whatsapp-Gruppen,…).
  • Für viele gilt als Lebensform: fleißig sein lohnt sich (Schaffe schaffe Häusle baue).
  • Nicht der Herrscher hat die Macht über den Sklaven, sondern umgekehrt, weil der Sklave in der Lage ist etwas zu bearbeiten/erschaffen und der Herrscher nicht.

Und hier die Abschlusszitate:

  • Konrad Paul Liessmann: “Jede emotionale, kommunikative, soziale Tätigkeit, in der wir nicht eine Form von Arbeit erkennen, scheint uns suspekt zu sein.”
  • Jerome-Klapkla-Jerome: “Arbeit hat für mich etwas Faszinierendes. Ich kann stundenlang davorsitzen und sie anschauen.”
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