Lachen

Ich habe am 1.07.2013 an einer philosophischen Diskussion zum Thema “Lachen” mit dem Referenten Markus Melchers teilgenommen.
Hier ist mein persönliches Protokoll:
Die Diskussionsrunde wurde mit folgenden drei Zitaten eingeleitet:

  • Epiktet: “Lache nicht zuviel, nicht über alles und nicht überlaut.”
  • Dorel de Balzac: “Wir können nur lachen so lange wir dumm sind. Und so lange wir leben umso gründlicher vergeht uns das Lachen wie das Öl in einer Funzel versiegt.”
  •  Wilhelm Busch: “Das Lachen ist ein guter Brauch, Beelzebub der tut es auch.”

Folgende Stichpunkte sind von mir so verstandene Zitat- und Gedankenschnipsel aus der Diskussion:

  • Im Alter kann man über vieles lachen.
  • Die Zitate wirken auf den ersten Blick deprimiend.
  • Es gibt unterschiedliches Lachen: Das hämische, das kindische, das kichernde,  …
  • Man kann auch über Menschen lachen.
  • Der Teufel lacht aus Verzweiflung vor Gott.
  • Man lacht wenn man ausgekitzelt wird und über Witze.
    • Beim Kitzeln werden unterschwellig Schmerzimpulse gereitzt. Das Lachen wird einem aufgezwungen, es ist eine unterschwellige Form der Gewallt.
    • Wenn man verbal unterschwellig gereitzt wird, dann lacht man auch.
  • Die Zitate geben vor wie man zu lachen hat. Dies ist aber paradox, da Lachen spontan entsteht.
  • Beim Lachen werden viele Muskeln bewegt und das Immunsystem angeregt.
  • “Am Lachen erkennt man den Narren.” – Dieses Zitat schränkt ein. Besser wäre: “Am Lachen erkennt man den Menschen.”
  • Lachen ist menschlich. Es gibt kein Tier das lacht (außer evtl. Schimpansen).
  • Menschen, die Angst um ihre Macht haben, fürchten das Lachen.
  • Philosophen (die in der Tradition Platons stehen) lachen nicht.
  • Diogenes hält dagegen durch spontane witzige Reaktionen.
  • Ein Lächeln ist die kürzeste Verbindung zwischen zwei Menschen.
  • Lachen hat wohl seinen Ursprung im Zeigen seiner Zähne (seiner Gesundheit, seiner Kampfbereitschaft), hat damit auch ein aggressives Potential.
  • “In jeden guten Witz steckt eine Katastrophe.”
  • Glücklich ist derjenige, der über sich selber lachen kann.
  • Es gibt unterschiedliche Lachkulturen. Die Japaner würden ihre Zähne beim Lachen nicht zeigen.
  • Ein Witz hat meistens eine L-Form. Die Pointe ist der Punkt, wo der Erzählstrang eine andere Richtung einnimmt. Beispiel:
    • Kommt ein Mann zum Arzt und sagt: “Ich kann nicht einschlafen.” Darauf der Arzt: “Zählen Sie doch einfach bis drei.” “Und das hilft?” “Ja, bei mir hilft es. Manchmal brauche ich aber auch bis halb vier.”
  • Es gibt das Lachen der Verzweiflung um den Ekelgedanken der Welt von uns abzulenken. – Nietzsche
  • Kinder brauchen kein intellektuelles Erlebnis um zu lachen.
  • Das unbeschwerte Lachen, z.B. im Zirkus ist, einfach schön und gesund.
  • Lachen ist ansteckend.
  • Es gibt auch den Lachflash – ein nicht zu stoppendes lautes Sprudeln.
  • Welches besonders peinlich ist, wenn es in Situationen passiert, wo man nicht lachen darf (z.B. beim Abendmahl (ich hatte mal den Mund voll, weil der Austeiler mir ein Riesenstück Brot gab, welches bedingt durch das unterdrückte Lachen auch nicht aufweichen wollte…), bei Beerdigungen, im Meeting,…)
  • “Der lachende Bauer fürchtet sich nicht, so lange er lacht” – Umberto Eco aus dem “Namen der Rose”. Wer sich nicht fürchtet, kann nicht regiert werden.
  • Schopenhauer: Lachen entsteht wenn die Differenz zwischen der Abstraktion und der Konkretion (also die Inkongruenz) zu groß ist, also wenn sich die Dinge sich nicht so verhalten wie erwartet. Es ist eine unmittelbare Reaktion, die keines Nachdenkens bedarf.
  • Lachen ist ein Herabstufen der Macht (und damit eine Aufgabe des Kabaretts).
  • Lachen ist eine Emotion, die man mit Worten nicht erklären kann. Es gleicht dem Versuch den Geruch des Kaffees zu erklären. Man kann es nur verstehen, wenn man es selber erfährt.
  • Im Lachen wird eine Dimension erreicht, die durch Denken nicht erfahren werden kann.
  • Im Lachen steht ein Widerspruch zwischen einem unendlichen Geist und der Sterblichkeit.
  • Lachen kann sozial einschließen (die mit Lachenden gehören dazu) und ausschließen (auslachen).
  • Lachen ist ein Reflex.
  • Lachen ist dem Menschen immanent.
  • In einer wissenschaftlichen objektiven Welt ist das Lachen der absolute Begin eines persönlichen Lebens (Abwandlung eines Satzes von Kierkegaard).
  • Wenn Menschen lachen, antworten sie damit auf eine unbeantwortbare Situation. (Sie antworten in einer anderen Dimension.) –  Helmut Plessner aus “Lachen und Weinen”
  • Helmut Plessner: “Im Lachen antwortet der Mensch nicht vermittelt…” (Sinngemäß: Es ist dem Menschen immanent und wird nicht injetziert).
  • Salomo: “Nach dem Lachen kommt das Trauern”. (Gilt aber auch umgekehrt.)

Abschlusszitate:

  • Odo Marquard: “Lachen kann man nur dort wo nicht alles total durchsischtig ist. Wo also noch Überraschungen möglich sind. Das Lachen als geltend machendes Inoffiziell setzt voraus, das es das Inoffiziell gibt.”
  • Imanuel Kant: “Das Lachen ist ein Affekt aus der plötzlichen Verwandlung einer gespannten Erwartung in Nichts.”

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