Geld und Macht

Ich habe am 03.08.2015 an einer philosophischen Diskussion zum Thema “Geld und Macht” mit dem Referenten Markus Melchers teilgenommen.
Hier ist mein persönliches Protokoll:

Die Diskussionsrunde wurde mit folgenden drei Zitaten eingeleitet:

  • Nietzsche: “Was man ehendem um Gottes willen tat, tut man jetzt um des Geldes Willen.”
  • Helmut Plessner: “Das Geld ist das Brecheisen der Macht.”
  • Heinz Schenk: “Das einzige, was man ohne Geld machen kann, sind Schulden.”

Folgende Stichpunkte sind von mir so verstandene Zitat- und Gedankenschnipsel aus der Diskussion:

  • Geld regiert die Welt.
  • Geld und Macht sind zwei Seiten der selben Medallie.
  • Staatliche Macht muss nicht mit Geld zusammen hängen (Richtersprüche z.B.).
  • Macht kann auch mit anderen Mitteln (Charisma) ausgeübt werden.
  • Macht zu heilen hat mit Geld nichts zu tun.
  • Geld kann man nicht essen.
  • Macht Geld glücklich?
  • Geld ist primär ein Tauschmittel.
  • Der Markt regelt die Preise, aber die Mächtigen tun das auch.
  • Cicero: Es gibt unterschiedliche Machtformen: Potestas und Auctoritas.
  • Autonomie ist auch eine Machtform.
  • Das Machtpotential im Geld sieht man ihm nicht an. Ein 5 € Schein könnte ggf. Leben retten.
  • Kredit kommt von Credo, also Glauben.
  • Es gibt auch die Macht der Liebe, die Macht des Geistes.
  • Jesus sagte, meine Macht ist nicht von dieser Welt. Geld wird von Motten zerfressen.
  • Auch die Macht bezieht ihre Kraft aus dem Glauben, dass die Mächtigen wirklich mächtig sind.
  • Macht ist, andere Menschen das machen zu lassen, was sie eigentlich nicht wollen.
  • Wenn dann Geld gleich Macht wäre, dann wäre es Bestechung.
  • Ein reicher Demagoge kann mit seinem Geld mehr Menschen erreichen.
  • Mit Geld kann man sich Macht kaufen, aber in demokratischen Staaten kann das sehr teuer werden.
  • Die Macht der Ideen kann groß sein.
  • Aber auch Ideen brauchen ein (kostenträchtiges) Medium (allerdings sind diese Medien heute günstiger.)
  • Lobbyisten haben auch viel Geld und sprechen mit den Regenten.
  • Früher hat man etwas gelesen, sich eine Meinung gemacht und dann kundgetan – mit den heutigen Medien geht das umgekehrt.
  • Überzeugen ist auch eine Macht.
  • Die neuen Medien sind die Macht des kleinen Mannes.
  • Firmen wie Nestle und Monsanto beuten die armen Länder dieser Welt aus, z.B. durch Landgrabbing.
  • Auch der IWF unterstützt das Landgrabbing.
  • Auch Fracking geschieht gegen den Willen von Großteilen der Bevölkerung.
  • Auch in unserem demokratischen Staat sind die Mächtigen am Werk.
  • Durch Aktienmanipulation können Firmen aufgekauft werden.
  • Macht muss kontrolliert werden.
  • In der Wirtschaft wird die Macht nicht kontrolliert.
  • Ölfirmen haben eigenes schweres militärisches Gerät um ihre Plattformen im nahen Osten zu schützen.
  • Politische Macht ist dadurch definiert, dass sie eine Herrschaft von Freien unter Freien ist (Aristoteles).
  • John Locke: Eigentum dass ich erworben habe legitimiert mich anders in der öffentlichkeit aufzutreten.
  • Eigentum verpflichtet.
  • Marx: das erste Eigentum ist durch Raub entstanden.
  • Eigentum sind Begriffe des Rechts und der Öffentlichkeit.
  • Es gibt eine Macht, die sich der demokratischen Rolle entzieht, die sich nicht zeigt.
  • Macht nutzt den ab, der sie nicht hat.
  • Eigentum ist ein kulturelles Passwort.
  • Beziehungen können eine (geheime) Macht sein.
  • Daten sind Macht.
  • Die Macht liegt oft nicht bei Einzelpersonen, sondern bei Institutionen (Firmen, Personengruppen, Geheimdiensten, …).
  • Lobbyismus ist dringend notwendig für die Demokratie, denn nur sie hat das Spezialwissen.
  • Kapital hat keine Heimat. Das Geld wandert durch die Länder.
  • Hegel:  Durch Geld kann die Gerechtigkeit der Gleichheit hergestellt werden.
  • Es gibt auch die Macht der Vielen (z.B. Flüchtlinge oder Demonstranten).

Und hier die Abschlusszitate:

  • Kant: “Geld ist eine Sache, deren Gebrauch nur dadurch möglich ist, dass man sie veräußert.”
  • “Das Geld kann gar kein Übel sein. Oder haben Sie schon mal gehört, dass man Übel so schnell los wird.”

Das eigentlich Interessante an dieser Diskussion waren neben den Beiträgen eher die Nichtthemen, bzw. die eher optimistische Grund-Stimmung. Wir sind eine bunte Gruppe von ca. 15 größtenteils “lebenserfahrenen” und intelligenten Menschen, die sich sonst meistens nicht kennen. Was heute nicht thematisiert wurde waren Verschwörungs,- oder “Weltuntergangs”-themen. Das Thema Schuldenblase wurde mit einem Satz “wird durch Inflation aufgefressen” erledigt. Wir glauben zwar auch, dass die Rente weniger Wert sein wird und dass vieles in der Welt falsch läuft, aber Angst vor einem Zusammenbruch der Zivilisation oder “Übernahme einer globalen Diktatur” war überhaupt nicht zu spüren. Für mich eine wohltuende und “erdende” Erfahrung, da man im Internet doch immer wieder auf “gleichgesinnte” stößt und sich dort seine Ängste gegenseitig verstärkt.

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One Response to Geld und Macht

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