Einzigartigkeit

Ich habe am 05.09.2016 an einer philosophischen Diskussion zum Thema “Einzigartigkeit” mit dem Referenten Markus Melchers teilgenommen.
Hier ist mein persönliches Protokoll:

Die Diskussionsrunde wurde mit folgenden drei Zitaten eingeleitet:

  • Jean Paul: “Ich bin, was ich bin, und werde schwerlich anders.”
  • Manfred Krug: “Ich habe mein Leben lang Angst gehabt, so zu werden wie mein Vater. Jetzt bin ich so, und es ist gar nicht so schlimm.”
  • Ralf Lindemann: “Die Deutschen neigen dazu, Fehler möglichst zwei oder drei mal zu machen, damit man sie auch beherrscht.”

Folgende Stichpunkte sind von mir so verstandene Zitat- und Gedankenschnipsel aus der Diskussion:

  • Einzigartigkeit gibt es beim Menschen, bei der Kunst, bei jedem Lebewesen.
  • Irgendwie sind alle Lebewesen, jedes Teil, jede Schneeflocke, letztendlich ist alles einzigartig.
  • Was ist das Gegenteil von einzigartig? Identisch? Gibt es zwei absolut identische Objekte?
  • Selbst Klone sind nicht einzigartig.
  • In der Kunst gibt es Unikate.
  • Und Dublikate.
  • Bei Atomen können wir eventuell physikalisch von identischen Teilchen sprechen.
  • Wenn ein Objekt so besonders ist, dass es nicht mehr in eine Klasse passt, sondern eine neue Klasse für dieses Objekt geschaffen werden muss, dann ist dieses Objekt einzig-artig.
  • Einzigartigkeit hängt vom Schwellwert der Unterschiedlichkeit ab.
  • Jeder Moment ist einzigartig.
  • Das “Absolute” ist einzigartig.
  • Gibt es überhaupt “Einzigartigkeit”?
  • Im digitalischen Bereich gibt es absolut identische Kopien.
  • Das Allgemeine, das Gewöhnliche ist das Gegenteil vom Einzigartigen.
  • Die Aussage “Ich bin einzigartig” ist kein Beweis.
  • Ist “das Besondere” und “das Einzigartige” identisch?
  • Einzigartigkeit wird oft durch Gefühle und Bedeutungen empfunden, quasi als Steigerung von Besonders.
  • Einzigartigkeit hat auch etwas mit subjektiver Bedeutung zu tun.
  • Für gläubige Menschen ist der Begriff der Vollkommenheit ein Begriff der Einzigartigkeit.
  • Archäologen legen anhand bestimmter Kriterien fest, welche Kulturerben einzigartig sind. Aber auch diese Kriterien sind letztendlich willkürlich.
  • Walter Benjamin: Man kann die Aura eines originalen Kunstobjekts spüren.
  • Um den Begriff “Einzigartigkeit” (oder auch andere Begriffe) zu klären, bedarf es eines “Sprachspiels”  (z.B. Wittgensteins Käfer in der Schachtel).
  • In einem Sprachspiel gibt es keine Lügen, weil man sich auf diese Regeln geeinigt hat.
  • Verschwörungstheorien basieren auch auf einem Sprachspiel.
  • Der Begriff “Einzigartigkeit” scheint auch keine Entsprechung in der Realität zu haben.
  • Die “Einzigartigkeit” ist somit letztendlich ein Sprachspiel und steht für das Besondere, das Herausragende.
  • Jugendliche sagen anstelle von einzigartig “cool” oder “geil”.
  • Weitere Synonyme: Vorzüglich, Herausgehobenes, im Adel: mit Privilegien ausgestattet.
  • Einzigartig kann man nicht steigern.
  • Das “Einzigartigste” sind Menschen.

Und hier das Abschlusszitat:

  • William I.: “Ich habe 30 Hirsche erlegt und nur 20 Patronen gehabt.”