Das Alter

Ich habe am 02.11.2015 an einer philosophischen Diskussion zum Thema “Das Alter” mit dem Referenten Markus Melchers teilgenommen.
Hier ist mein persönliches Protokoll:

Die Diskussionsrunde wurde mit folgenden drei Zitaten eingeleitet:

  • Demokrit: “Alter ist eine Verstümmelung bei ganzem Leibe: alles hat es, und allem fehlt etwas.”
  • Christian Friedrich Hebbel: “Der Jugend wird oft der Vorwurf gemacht, sie glaube immer, daß die Welt mit ihr erst anfange. Wahr. Aber das Alter glaubt noch öfter, daß mit ihm die Welt aufhöre. Was ist schlimmer?”
  • Franz Müntefering: “Wir sind zu sehr dem Denken verhaftet dass es im Leben mit 65 einen Schnitt gibt. Ich finde das etwas beamtenhaft. Die Leute wollen das oft gar nicht. Mein Vater musste mit 62 Jahren aufhören zu arbeiten. Der hat dann den Garten 12 mal umgegraben. Das hat dem Garten nicht gut getan.”

Folgende Stichpunkte sind von mir so verstandene Zitat- und Gedankenschnipsel aus der Diskussion:

  • Ab wann beginnt “Das Alter”?
  • Mit 7 müssen wir in die Schule, mit 14 sind wir Religionsmündig und mit 18 Volljährig.
  • Meistens wird damit das Rentenalter gemeint.
  • Psalm 90,10: “Unser Leben währet siebzig Jahre, und wenn’s hoch kommt, so sind’s achtzig Jahre, und wenn’s köstlich gewesen ist, so ist es Mühe und Arbeit gewesen; denn es fährt schnell dahin, als flögen wir davon… Lehre uns bedenken, daß wir sterben müssen, auf daß wir klug werden.”
  • Die Phasen des Alters verschieben sich heute immer weiter nach hinten.
  • Das Alter lässt sich nicht nur nach der Jahreszahl ableiten.
  • Die Gene, die Lebensumstände, die Ernährung, die Lebensfreude,… beeinflussen das Altern.
  • Man kann das Alter auch genießen.
  • Früher waren die 50 Jährigen alt.
  • Die meisten aus unserer Diskussionsgruppe stimmen mit Demokrit überein (was mich doch etwas erschreckt hat).
  • Die “Kindheit” gab es im Mittelalter noch nicht. Kinder wuchsen in den selben sozialen Gefügen und Räumen wie die Erwachsenen auf.
  • Walter Jens, Heiner Geißler,… sind Zeugen für Altersweisheit.
  • Begriffe wie “Silver Ager” sind ein Marketing-Gag, um Motorräder und sportliche Kleidung zu verkaufen.
  • Wir sollten bei der Eutanasiediskussion nicht über Nützlichkeit, sondern über Moral reden.
  • Es lohnt sich nicht zwingend länger zu leben. Die Lebensqualität gehört dazu.
  • Sebastian Knell (Medizinethiker) schreibt Bücher über das Altern.
  • Viele Philosophen und die Gesellschaft behaupten: Das längere Leben hat Vorzug über des kürzere Leben.
  • Die Pharma-Industrie hat ein Interesse an einem längerem Leben.
  • Seneca schaut nicht auf die Länge des Lebens, sondern auf die Qualität.
  • Was bedeutet “Überalterung” (vor allem politisch)?
    • Was sind die Konsequenzen, wenn eine Gesellschaft “überaltert”?
    • (Wie) müssen wir gegensteuern?
    • Dies sind gefährliche Diskussionen.
  • Die Menschen wurden früher auch teilweise so alt wie heute. Die Altersstatistik zeigt den Durchschnitt an und nicht die Altersobergrenze.
  • Alter ist sehr individuell.
  • Vorteile des Alters: Gelassenheit, Weisheit, Freiheit, Uneitelkeit, Theoriefähig, weniger Illusionsanfällig,…
  • Die Krankenkasse hat nur begrenzte Ressourcen und muss entscheiden, wer am Leben bleibt und wer nicht.
  • Wolfgang Kerstin möchte transzendentale Güter durch den Staat geschützt sehen (also neben der Freiheit auch die Gesundheit). Dies würde in letzter Konsequenz eine Neuorganisation des Krankensystems bedeuten.
  • Makroallokation und Mikroallokation: Steuerung der Entscheidung ob jemandem geholfen wird durch Staat und durch die Individuen.
  • Krankenschwestern verdienen, wenn sie lange dabei und gut sind, 42000 €/Jahr.
  • Aristoteles: Greise sehen schlecht, ihnen fallen die Zähne aus, … sind egoistisch, …
  • Griechen: Wen die Götter lieben, den lassen sie jung sterben.
  • Cicero: Es ist ein Vorzug, von bestimmten Gefühlen nicht mehr gedrängt zu werden.
  • 400000 Heimplätze gibt es in Deutschland.
  • Bei der Diskussion über das Altern und Sterbehilfe müssen wir aufpassen, dass wir keine allgemeingültige Regel aufstellen, die besagt, ab wann ein Mensch nicht mehr Lebenswürdig ist. Es gab mal ein System in Deutschland, die diese Frage beantwortet hat.
  • Drei Phasen nach der Rente eines Teilnehmers:
    • Euphorie (2-3 Jahre)
    • Ernüchterung
    • Rücksehnsucht gebraucht zu werden.
  • Wie kann man gesund alt werden?
    • In einer guten Beziehung leben.
    • wenig essen.
    • viel bewegen.
  • Möchten wir wirklich einen Körper haben, der nicht altert?
  • Alte Menschen können hervorragende Großeltern sein und soziale Kompetenz vermitteln.

Und hier die Abschlusszitate:

  • Wolf Hofut (?): “Angst vor dem Alter ist Angst vor dem Alleinsein.”
  • Mark Twain:  “Als ich 14 Jahr alt war, war mein Vater für mich so dumm, daß ich ihn kaum ertragen konnte. Aber als ich 21 wurde, war ich doch erstaunt, wieviel der alte Mann in sieben Jahren dazu gelernt hatte.”
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