Atheismus

Ich habe am 3.12.2012 an einer philosophischen Diskussion zum Thema “Atheismus” mit dem Referenten Markus Melchers teilgenommen.
Hier ist mein persönliches Protokoll:
Die Diskussionsrunde wurde mit folgenden drei Zitaten eingeleitet:

  • La Mettrie: “Im übrigen ist es für unsere Ruhe gleichgültig, ob die Materie ewig oder ob sie geschaffen worden ist, ob es einen Gott gibt oder ob es keinen gibt.”
  • Xenophanes: “Wenn Kühe, Pferde oder Löwen Hände hätten und damit malen und Werke wie die Menschen schaffen könnten, dann würden die Pferde pferde-, die Kühe kuhähnliche Götterbilder malen und solche Gestalten schaffen, wie sie selber haben.”
  • Karl Kraus: “Ein Blitzableiter auf einem Kirchturm ist das denkbar stärkste Misstrauensvotum gegen den lieben Gott.”

Folgende Stichpunkte sind von mir so verstandene Zitat- und Gedankenschnipsel aus der Diskussion:

  • Ist der Glaube ein Zweck den wir uns selber erschaffen haben um dem Tod zu entkommen?
  • Atheismus ist auch ein Glaube.
  • Es gibt viele Unterarten des Atheismus.
  • Der Atheismus ist wie der Theismus eine extreme Position.
  • Der Pantheismus ist etwas gemäßigter.
  • Augustinus: “Unruhig ist unser Herz, bis es ruht in dir.”
  • Der Agnostiker läßt sowohl Theismus als auch Atheismus zu.
  • Richard Dawkins unterteilt den Zwischenraum zwischen Theismus und Atheismus in sieben Stufen und sieht den Agnostiker kritisch.
  • Nur 20% aller Deutschen glauben nicht irgendwie an Gott.
  • Fundamentalisten gibt es immer.
  • Atheismus bedeutet eine Form der Gottlosigkeit, lehnen also auch den Mehrgottglauben ab.
  • Sokrates hat mit seinen Fragen bestehende Regeln zersetzt und war damit so etwas wie ein damaliger Atheist oder Ketzer.
  • Ein Ketzer muss nicht zwingend ein Atheist sein, weil er von innerhalb des Glaubenskreises stammt.
  • Die ersten die versuchten Gott zu beweisen waren die Physiker.
  • Der erste war damit Aristoteles, weil er glaubte, dass es einen ersten Beweger geben muss.
  • Der Dualismus zwischen Geist und Materie ist heutzutage in Frage gestellt.
  • Die Gottesbeweise sind dadurch gekennzeichnet, dass sie alle gescheitert sind.
  • Wenn Gott sich nicht zu erkennen gibt ist er es selber Schuld, dass seine Geschöpfe anfangen zu spekulieren.
  • Glaube kann zu einer individuellen Wahrheit werden.
  • Feuerbach sagt, dass wir den Glauben wahr machen und damit Gott erschaffen. (Feuerbach stärkt damit die Position des Menschen.)
  • Wenn Gottesbeweise ernst genommen werden wollen, dann muss man auch deren Widerlegung ernst nehmen.
  • Kann man auch einen Nichtgottesbeweis erstellen? -> Nein, denn das Nichts kann nicht bewiesen werden.
  • Die theologische Fakultät ist als (Text-)Wissenschaft zu betrachten.
  • Die Menschen haben immer schon Götter erschaffen.
  • Paulus: „Es ist aber der Glaube das feste Vertrauen auf das Erhoffte, ein Überzeugtsein von dem, was man nicht sieht.“ (Hebr 11,1)
  • Das individuelle Glaubenserlebnis darf nicht auf andere übertragen werden.
  • Individuelle Glaubenserfahrungen müssen ernst genommen werden und sind Teil dieser Welt.
  • Ein Atheist und ein Gläubiger können sich nicht auf einer Ebene unterhalten, weil der Atheist die allgemein gültige Wissenschaft im Rücken hat, wogegen der Gläubige nur seine persönliche Erfahrung oder seinen persönlichen Glauben.
  • Es gibt Spontanheilung!
  • Atheisten kennen dessen Ursache nicht, aber die Wirkung.
  • Christen halten Gott für die Ursache.
  • Nahtoderlebnisse sorgen auch für unterschiedliche Auslegungen.
  • Die Nazis sagten von sich, dass sie Gottgläubig wären.
  • Individuelle Glaubenserfahrungen verbinden Menschen und führen zu sozialen Gemeinschaften.
  • Juden und Christen waren auch Atheisten, nämlich im alten Rom glaubten sie nicht an die vielen Götter.
  • Das Göttliche ist ein Teil des Kosmos.
  • Melchers: Es gibt verschiedene Formen des Atheismus:
    • Erkenntnistheoretischen Atheismus
    • Humanistischen Atheismus (Freiheit von einer übergeordneten Macht)
    • Theodiezeefragenden Atheismus
    • Spekulativen Atheismus. Das sind Gegengläubige wie der Baron Holbach. Sie bieten Alternativen wie den Determinismus.
    • Ignoranten Atheismus
    • Dogmatischen Atheismus. Aktueller prominenter Vertreter: Richard Dawkins
    • Nicht wissenden Atheismus (Heiden, die noch nie was von Gott gehört haben)
  • Der Agnostiker steht außen vor und lässt alles offen. Er glaubt beides ist gleichgewichtig. Beide könnten Recht haben.
  • Blaise Pascal machte mit seiner Gotteswette einen disjunktiven Fehlschluss. Die Grundannahme war nicht vollständig.
  • Nietzsche behauptete, dass Gott tot sei und wir ihn getötet hätten. Aber er war nicht glücklich darüber, denn wir haben mit seinem Tod viel verloren (Sicherheit, Geborgenheit, Trost,…)
  • Ganze Staaten halten sich massenpathologisch für theistisch rechtgläubig  und begehen guten Gewissens Greuel, singen Halleluja und verbrennen Hexen.
  • These: Alle Religionen haben einen aggressiven und gewalttätigen Wahrheitsanspruch und Missionsdrang.
  • Antithese: Dahinter stehen oft politische Interessen.
  • Die klugen zeitgenössischen Atheisten haben sich von einem konkurrierendem methaphysichem System verabschiedet.
  • Der moderne prozedurale Atheist sagt, der Behauptende hat die Beweispflicht. Gott muss damit wie eine These in der Wissenschaft verifiziert werden. Die Beziehung zwischen Atheist und Theist ist dann asymetrisch.
  • Das ist unredlich opportunistisch, weil es keinen Gottesbeweis gibt. Der Atheist hat damit so lange recht, bis ihm einer das Gegenteil beweisen kann.
  • Das ist aber ein Dialogangebot.
  • Jede Beweiskette führt zu einer weiteren Beweiskette.

Schlusszitate:

  • Oswald Sprengler: “Wer Gott definiert, ist schon Atheist.”
  • Matthias Belz: „Die einen sagen, dass Gott existiert, die andern, dass Gott nicht existiert. Die Wahrheit wird, wie so oft, in der Mitte liegen.“

Nächster Termin: 7.1.2013

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One Response to Atheismus

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