Über das “Vor-Sorgen”

Entnommen aus der Mail eines Freundes:

Zunächst einmal ein hübsches Gedicht mit Namen “Sorge”(aus Goethes “Faust”):

Wen ich einmal mir besitze
Dem ist die Welt nichts nütze
Er verhungert in der Fülle
Sei es Wonne sei es Plage
Schiebt er’s zu dem andern Tage
Ist der Zukunft nur gewärtig
Und so wird er niemals fertig.

Aus Rüdiger Safranskies neuem Buch “Zeit”:

Die enorme Einngriffstiefe technisch-gesellschaftlichen Handelns verstärkt seine Rückwirkungen, die sich erst in der Zukunft zeigen. Der menschengemachte Anteil an der Zukunft wächst. Trotzdem gibt es noch die Offenheit der Zukunft, denn der Risikofall kann eintreten – oder auch nicht. Keine Risikoversicherungen bringen die Sorge zum Verschwinden; sie kann sich sogar verstärken auf dem Umweg über die Erhöhung der Sicherheitsbedürfnisse. Denn auch diese geraten in eine Wachstumsspirale. Sicherheit verlangt nach mehr Sicherheit, einfach deshalb, weil man, an Sicherheit gewöhnt, überempfindlich wird für das Bedrohliche. Für das System dieser Rundumversorgung gilt: Wo aber das Rettende ist, wächst die Gefahr. Es handelt sich um das Wachstum von Sorgen inmitten von komfortablen Verhältnissen. Man sorgt sich auf hohem Niveau, und die soziale Fallhöhe wirkt auch deshalb auch immer beängstigender, weil man sich inzwischen an die Verwöhnung gewöhnt hat.

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Ich bemühe mich die Welt zu verbessern. Mein Beitrag ist nicht groß, aber ich bin ein Legionär - und die bewirken das meiste.
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