Persönliche Buchzusammenfassung – Ulrike Herrmann – Der Sieg des Kapitals

 

Ulrike Hermann schreibt in diesem Werk aus dem Jahr 2014 sehr verständlich und aktuell über ein Thema das uns alle angehen sollte, aber sehr viele Missverständnisse beinhaltet.
Natürlich sind schon viele Bücher über Geld geschrieben worden und sie wiesen auch meist eine subjektive Richtung auf.
Aber ich habe Vertrauen zu ihr gewonnen, da sie einerseits Bekanntes bestätigte, andererseits ihre Argumentation logisch ist und sie eine positive, menschenfreundliche Herangehensweise betreibt.

 

Hier mal die Themen, die mir hängen geblieben sind, bzw. neu für mich waren:

  • Die freie Marktwirtschaft ist ein Märchen. Sie existiert nur in Nischen der Mittelschicht (Kleingewerbe). Ein Großteil des Handels geschieht in Großkonzernen. Diese sind aber alle monopolistisch aufgestellt. Innerhalb einer Branche wächst alles zu wenigen global Playern zusammen.
  • Würden die Löhne marktwirtschaftlich ausgehandelt, würden sich die Bewerber gegenseitig unterbieten, denn es existiert ein Machtgefälle zwischen Arbeitgebern und Arbeitnehmern. Daher ist es sinnvoll das Gewerkschaften die Löhne aushandeln.
  • Geld entsteht aus dem Nichts, aber das ist normal und war schon immer so. Geld ist die Schuld der anderen. Wenn ich Geld besitze, erwarte ich eine zukünftige Dienstleistung (ich bin immer noch über diese großartige Kulturleistung begeistert). Der Wertträger (das Medium) des Geldes ist egal, es muss aber Vertrauen in ihn existieren. Geld lässt sich nicht abschaffen (und das wäre auch ziemlich idiotisch). Würden mit einem Schlag alle Schulden gestrichen, wäre mit einem Schlag alles Geld weg, unsere Konten leer und die Wirtschaft würde zusammenbrechen.
  • Gold hat an sich keinen Wert und ist auch für die Krisenvorsorge ungeeignet, da innerhalb der Krise sein Wert fallen wird.
  • Zinsen gehören zur Wirtschaft dazu. Sie sorgen nicht für eine exponentielle Vermehrung des Geldes, da in ihnen die Wertschöpfung, die Dienstleistung der Bank und ein Risiko enthalten sind (bei zu Riskanten Geschäften geht ja auch wieder Geld verloren). Die Historie beweist, dass die Zinsen eher einen positiven Einfluss auf die Wirtschaft haben. Ausnahme: Werden Kredite in extremen Notsituationen mit überzogenen Zinsen vergeben, so ist dies Wucher und damit verwerflich.
  • Kapital ist nicht Geld, sondern die Fähigkeit eine Wirtschaftsleistung zu erbringen oder gar zu verbessern.
  • Wir sollten daher nicht unser Geld vermehren (das funktioniert in einem geschlossenem System nur auf Kosten der anderen), sondern unser Kapital. Dies geschieht durch Investition in Infrastruktur, Bildung, Effizienz,…
  • Die Zentralbank schöpft nur den geringsten Teil des umlaufenden Geldes. Wenn sie Geld “druckt” erschafft sie kein neues Geld, es war durch die Schulden schon geschaffen, sondern verlagert nur die Schulden an den Staat, was aber nicht schlimm ist (siehe Makroökonomie).
  • Es war falsch die Lehmannbrothers-Bank zu opfern. Auch wenn man zuerst denkt: “Die bösen Banken haben es verdient”, so hat es doch zum gegenteiligen Effekt geführt, dass die Banken nun noch mehr Macht haben, da die Politiker sich gezwungen sahen ihnen unendlich viel Geld zu versprechen.
  • Makroökonomie ist nicht Mikroökonomie, Volkswirtschaft ist nicht Betriebswirtschaft. Wenn in meinem Haushalt das Geld knapp wird, muss ich sparen. Wenn bei einem Staat das Geld knapp wird, muss er es ausgeben. Ich persönlich kann mit Geld meine Zukunft vorsorgen, der Staat kann das nur mit Kapital. Das Guthaben der Bürger entspricht den Schulden des Staates – es können nicht beide gleichzeitig sparen.
  • Die Eurokrise hat vier Gründe:
  1. Als der Euro eingführt wurde entstand eine Euphorie bei wirtschaftlich schwachen Ländern wie Griechenland, Portugal, Irland, Spanien, Zypern und Slowenien. Es began ein “Run” auf die Kredite dieser Länder. Es war eine klassische “Blase”. Aber diese Blase ist relativ harmlos, weil die Wirtschaftsmenge von Griechenland ca. der von Hessen entspricht und eine EU das verkraften sollte.
  2. Die Eurozone hat 17 verschiedene Staatsanleihen, aber eine Währung. Investoren können einzelne Länder abwerten. So ist z.B. Italien wirtschaftlich gut aufgestellt, aber die Investoren haben keinen Vertrauen in das Land und so muss es teure Kredite erwerben und gerät in eine Rezession.
  3. Deutschland erzeugt eine Wettbewerbskrise. Durch Agenda 2010 und die Hartzgesetze sind bei uns die Löhne real gesunken. Es ist gut wenn in Deutschland die Löhne steigen, weil es die Binnennachfrage steigert. Ansonsten wertet es den Euro auf und die anderen kaufen Kredite bei uns, die sie aber nicht abzahlen können und damit verschenken wir letztendlich unsere Exporte. Die Exportüberschüsse existieren aber nur auf dem Papier, weil wir auf der anderen Seite viel Geld in die Stabilisierung unserer Währung investieren. (Nochmal: Geld ist nicht Kapital)
  4. Die Managementkrise. Die Europäischen Politiker haben viele Fehlentscheidungen getroffen. Bei einer Deflation, die wir europaweit haben, muss investiert werden und nicht gespart. Es darf Geld “gedruckt” werden, um Kapital damit zu erzeugen. Es war falsch in Griechenland einen Schuldenschnitt einzubringen, denn nun ist noch mehr Vertrauen verloren gegangen, aber Geld ist nur so viel wert, wie das Vertrauen in es.
  • Wege aus der Krise:
    • Die EZB soll zu einer Notenbank werden
    • Es soll ein Konjunkturprogramm für den Süden erstellt werden.
    • Sparkurse in z.B. Italien müssten aufhören.
    • Die Löhne in Deutschland müssten steigen.
  • Aktien an sich sind gut, da sie Firmen Wachstum ermöglichen. Auch der Handel mit Aktien ist gut, da sie die Preise ausgleichen. Eine Aktie an der Börse kann bewertet und beobachtet werden.
  • Einzelne Futures sind auch nicht schlecht, da sie z.B. den Bauern einen Abnahmepreis garantieren und er so planen kann.
  • Auch der Handel mit Währungen an sich ist nicht schlecht, da er sie, entsprechend ihrem Wirtschaftswert, auf- oder abwertet.
  • Allerdings spielt die Psychologie eine große Rolle und so werden Aktien oder Währungen oft falsch eingeschätzt.
  • Spekulations-Metaprodukte ( Derivate, Metafonds, Optionen) hingegen werden undurchsichtig und bringen dem Markt keinen Mehrwert.
    Sie befinden sich im luftleeren Raum, da sie mit der Realwirtschaft nicht mehr viel zu tun haben und Gewinne und Verluste stehen eigentlich nur auf dem Papier.
    Aber sie schmarotzen durch ihre Gebühren. Leider wirken sich die Blasen auch auf den Realhandel aus und schädigen in dadurch. Ganz schlimm ist es, wenn die Nahrungsmittel unnatürlichen, irrationalen Preisschwankungen unterliegen, denn dann verhungern ganz real Menschen.
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Ich bemühe mich die Welt zu verbessern. Mein Beitrag ist nicht groß, aber ich bin ein Legionär - und die bewirken das meiste.
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