“Was ist eine Tatsache?” eine philosophische Diskussion mit Markus Melchers

Ich habe am 2.4. an einer philosophischen Diskussionsrunde zum Thema “Was ist eine Tatsache” mit dem Referenten Markus Melchers teilgenommen.
Hier ist mein persönliches Protokoll:

Die Diskussionsrunde wurde mit folgenden drei Zitaten eingeleitet:

  • John Steinbeck (Quelle: “Der fremde Gott” ): “Schließlich braucht der Mensch doch etwas, worauf er bauen kann, wovon er sicher weiß, daß es am Morgen da ist.”
  • Sir Arthur Conan Doyle: “Es gibt nichts Trügerisches als eine offensichtliche Tatsache.”
  • Robert Lembke: “Man sollte sich nicht durch eine Tatsache beirren lassen, wenn man sich einmal eine Meinung gebildet hat.”

Folgende Stichpunkte sind von mir so verstandene Zitat- und Gedankenschnipsel aus der Diskussion:

  • Tatsachen befinden sich innerhalb von Raum und Zeit. Sie haben etwas mit Realität zu tun.
  • Tatsachen sind Verb und Substantiv zugleich.
  • Tatsachen sind nicht immer eindeutig. Z.B. ein Pfund Zucker wiegt auf dem Mond weniger.
  • Eine Tatsache existiert, weil sie empirisch fassbar ist.
  • Eine Tatsache ist auch ein Konstrukt des Gehirns und eine Frage der Wahrnehmung
  • Es gibt Tatsachen, die sinnlich nicht wahrnehmbar sind.
  • Es gibt auch theoretische Wege Tatsachen wahr zu nehmen, z.B. dass die Lichtgeschwindigkeit knapp 300000 Km/s beträgt.
  • Tatsachen lassen sich auch durch Notwendigkeiten herleiten.
  • Indizien sind Spuren der Wirklichkeit, die auf eine Tatsache hindeuten.
  • Eine Tatsache ist zumindest theoretisch beweisbar.
  • Was wir als Tatsachen behaupten sind nur Ausschnitte der Realität, die wir individuell durch unsere Kriterien festlegen. Beispiele:
    • Die Münze ist sowohl flach, als auch rund, als auch kupferrot.
    • Der Apfel
      • Für das Kind ist er lecker
      • Für den Verkäufer wertvoll
      • Für den Künstler schön
  • Tatsachen sind verläßlich, selbstverständlich und beinhalten Erfahrungswerte.
  • Das Wort Tatsache kam 1756 in die Welt. Herr Spalding übersetzt “Matter of fact” in “Tatsache” in Bezug auf das, was Gott gemacht hat. Es ist verläßlich.
  • Tatsachen sind (historische) Ereignisse, die nur für die Vergangenheit und die (infinitisemal kleine) Gegenwart gelten.
  • Alle Ereignisse die in der Gegenwart+Vergangenheit stattgefunden haben sind Tatsachen.
  • Wittgenstein: “Es gibt keine falschen Tatsachen”. Aber es gibt falsche Behauptungen darüber (“Die Erde ist eine Scheibe”).
  • Eine Tatsache ist ein Gegenstück(Ergänzungsstück) zum Glauben.
  • Tatsache heist auf Lateinisch “res facti” (gemachte Dinge).
  • Bei einer Tatsache wird nichts durch Phantasie hinzugefügt oder weggenommen.
  • Einige Tatsachen brauchen den Menschen, der sie erst zu einer Tatsache macht. Z.B. der Ton, die Farbe,…
  • So lange Fakten aufgelistet werden, bleibt man seriös. Fängt man aber an zu synthetisieren, gerät man in die Grauzone der Bewertung.
  • Man streitet nicht über Tatsachen, sondern deren Bewertungen
  • Eine Tatsache ist etwas objektives
  • Wittgenstein: Eine Tatsache ist eine ontologische Vorraussetzung für die Wahrheit.
  • Es gibt Erfahungs-, Beobachtungs- (z.B. der Tod), kulturelle, historische und soziale Tatsachen.
  • Wittgenstein: Tatsachen sind es, die meine Sätze über die Welt wahr machen.
  • Es gibt gefälschte (nicht falsche) Tatsachen, erfundene Traditionen, Verschwörungstheorien (siehe auch unten, am Rande).
  • Unsere Sprache reicht nicht aus um Tatsachen exakt zu beschreiben.
  • Einige Tatsachen sind eindeutig, andere müssen interpretiert werden (z.B. Statistiken in sozialen Tatsachen).
  • Es gibt vier Arten der Realtität aus der Erkenntnistheorie:
    • Interner Realismus (Hilary Putman “Gehirn im Tank”): Es gibt keine Werte ohne Tatsachen. Es gibt keine Tatsachen ohne Werte.
    • Externer Realismus (John Searl): Rohe Tatsachen sind von unserem Wissen unabhängig, alles andere sind soziale Tatsachen.
    • Transzendentale Tatsachen (Kant): Meinungen
    • Hypothetischer Realismus
  • Wittgenstein: Aussagen müssen sich auf etwas in der Welt seiendes beziehen.

Am Rande:

Pseudowisenschaftliche Texte (z.B. Verschwörungstheorien) lassen sich u.a. durch folgende Kriterien entlarven:

  • Keinen Zweifel haben
  • einseitige Darstellung von “Zweck-Tatsachen”
  • Behauptungen, aber keine Begründungen
  • Definierung rückwirkender Kausalketten (“Weil das so ist, muss es durch jenes so geworden sein.”)(Aus Indizien werden Beweise)
  • Rethorik
  • nicht ergebnisoffen, sondern auf ein Ziel ausgerichtet.

Schlußzitate:

  • Thomas Huxley: „Die Tragödie der Wissenschaft – das Erschlagen einer schönen Hypothese durch eine häßliche Tatsache.“
  • Jane Austen: “Es ist eine unumstößliche Tatsache, daß ein allein stehender Mann mit Vermögen dringend eine Ehefrau braucht.”
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