“Stars und Helden” eine philosophische Diskussion mit Markus Melchers

Ich habe am 5.3. an einer philosophischen Diskussionsrunde zum Thema “Stars und Helden” mit dem Referenten Markus Melchers teilgenommen.
Hier ist mein persönliches Protokoll:

Die Diskussionsrunde wurde mit folgenden drei Zitaten eingeleitet:

  • Leopold Ranke (Historiker): „In der Behauptung einer großen Sache unter Widerwärtigkeiten und Gefahren bildet sich der Held.“
  • Theodor Fontane: “Heldentum ist Ausnahmezustand und meist Produkt einer Zwangslage.”
  • Arthur Schopenhauer wundert sich, warum immer nur das Herz aber nie das Hirn eines Helden einbalsamiert wird.

Folgende Stichpunkte sind von mir so verstandene Zitat- und Gedankenschnipsel aus der Diskussion:

  • Das Wort “Held” wird heute eher selten verwendet und bezieht sich auf Personen der Geschichte.
  • Das Wort “Held” oder gar “Kriegsheld” war in der Nachkriegszeit ein Unwort.
  • Es gibt doch auch moderne Helden. Z.B. die Helden von Bern, Helden des Alltags “Held der Arbeit”, “Held der Woche”,…
  • Helden ragen aus der Masse hervor, haben etwas Einzigartiges.
  • Helden sind z.B. die Feuerwehrleute von 9/11.
  • Der Kapitän der Costa Concordia ist kein Held.
  • Es gibt auch Superhelden: “Batman, Superman, Spiderman,…”.
  • Es gibt auch Anti-Helden: “Weiberheld, Pantoffelheld,…”.
  • Es gibt auch stille Helden, welche die man nicht sieht, z.B. die die Contenance bewahren oder jüdische Kinder versteckten,…
  • Helden retten meistens Menschen unter Gefahren für das eigene Leben.
  • Helden gehen ein außergewöhnliches, existentielles Wagnis ein.
  • Helden müssen sich durch Widrigkeiten und Gefahren kämpfen.
  • Da Helden einzigartig sind, können sie keine Vorbilder sein.
  • Helden gibt es nur im Vergleich zu mir. Er muss besser sein als ich (und ist damit doch eine art Vorbild, auch wenn ich es nie erreichen kann).
  • Helden sind (bis auf wenige Ausnahmen (fantastischen Vier)) Einzelkämpfer.
  • Der Held denkt nicht sondern macht spontan.
  • Einige Helden sind tollkühn (denken also gar nicht) andere sind mutig (wägen ab und machen dann).
  • Diejenigen, die überleben werden zu Helden, die anderen haben Pech, es endet tragisch und meistens merkt es keiner.
  • Helden wachsen über sich selbst hinaus, überspringen den eigenen Schatten.
  • Helden durchbrechen Grenzen.
  • Helden kämpfen gegen etwas Übermächtiges.
  • Helden werden von anderen dazu gemacht.
  • Helden werden als Galeonsfigur (Kristalisationspunkt) vor eine Ideologie gespannt.
  • Ein Held hält sein Prinzip gegen alle Widerstände durch.
  • Ein Held kann aber auch ein gängiges Prinzip durchbrechen (z.B. Helmut Schmidt, arabischer Frühling).
  • Helden sind selten Reuefähig.
  • Wer mangelnde Liebe zum Leben hat, der wird kein Held.
  • Helden haben als Ziel den Sieg einer Ethik.
  • Helden sind subjektiv, kultur- und ideologieabhängig. z.B. Talibanische Gotteskrieger sind bei den Taliban Helden, bei uns nicht.
  • Helden tuen “das Richtige”.
  • Helden müssen daher auch eine minimale kognitive Fähigkeit und ein Selbstbewußtsein haben.
  • Helden können sich somit als “Agenten des Weltgeistes” fühlen.
  • Helden sind manchmal Fatumsgewisse (Kämpfen mit dem Schicksal auf ihrer Seite).
  • Andere Helden kämpfen gegen das Schicksal.
  • Psychologies Versuche: Wenn ein Mensch um einen See geht und sieht ein ertrinkendes Kind, wird er wahrscheinlich rein springen und helfen. Sind viele Menschen an diesem See, springt keiner.
  • Markus Melchers (gemeinsamer Nenner von Hegel, Schopenhauer, Nietzsche, Josef Früchtl,…): Die moderne Philosophie legt den Verdacht nahe, dass die Welt nihilistisch ist, es also keinen Sinn im Leben gibt. Wir leben damit in einer kalten und sinnlosen Welt, in einer “transzendenten Obdachlosigkeit”. Dies ist der Preis der Freiheit und Individualität. Um das auszuhalten und uns nicht umzubringen müssen wir Helden sein.
  • Die oben beschriebenen Helden sind damit die Götter von heute, weil sie ein klein wenig Sinn und Wärme in diese Welt bringen.
  • Neue Ziele könnten für die Menschheit sein: Kulturgemeinschaften, ehtische Ziele,…
  • Im Film gibt es hauptsächlich zwei Typen von Helden: Sinnproduzierende und Antihelden, die sich der Sinnlosigkeit stellen (und alles kaputt ballern – da es ja eh egal ist, ob es existiert oder nicht. Dann gibt es wenigstens ein Feuerwerk).

Stars:

  • Stars werden im Gegensatz zu Helden kultig verehrt.
  • Stars haben eine Fangemeinde.
  • Mit Stars wird Geld verdient.
  • Stars gibt es erst seit 1910 (Hollywood).
  • Auf Stars werden Sehnsüchte projeziert.
  • Mit Stars verbindet man eigene Gefühle.
  • Stars altern nicht.
  • Stars sind Produkte einer Kulturindustrie.
  • Es gibt Stars und Sternchen.

Am Rande:
Sören Kierkegaard war der Vater der Existenzphilosophie.

Schlußzitate:

  • Silvia Bovenschen: “Helden sterben nicht auf Intensivstationen. Sie sterben sauber, ohne Schläuche im Mund…”
  • Alfred Hitchcock: “Der Star ist dem Kinopublikum eine Art lieber Verwandter. Und nichts ist für Menschen aufregender und amüsanter als zuzusehen, wie liebe Verwandte in Schwierigkeiten geraten.”
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