Das “Erhabene” – Ein Diskussionsprotokoll

Ich habe am 9.1. an einer philosophisschen Diskussionsrunde zum Thema “Das Erhabene” mit dem Referenten Markus Melchers teilgenommen.
Hier ist mein persönliches Protokoll:

Die Diskussion wurde mit folgenden Zitaten eingeleitet:

Immanuel Kant: “Erhaben nennen wir schlechthin das, was groß ist.”
Moses Mendelssohn: “Nun wird eine jede Eigenschaft eines Dinges überhaupt erhaben genannt, wenn sie durch ihren ausserordentlichen Grad der Vollkommenheit Bewunderung zu erregen fähig ist.”
Friedrich Theodor Vischer: “Alles Erhabene muß in eine gewisse Dunkelheit gehüllt, der gemeinen Deutlichkeit entrückt seyn.”

Folgende Sätze sind subjektive Gedanken und so verstandene Zitate aus der Diskussion:

Beispiele für Erhabenheit: Das Erhabene

  • ist etwas besonderes
  • ist nichts alltägliches, gewöhnliches, normales
  • ist ein Gefühl, das z.B. kommt, wenn in Beethovens Neunte der Gesang einsetzt, oder wenn man auf einem Berg steht oder ein Mensch etwas wundervolles geschaffen hat.
  • hat einen ethischen Wert (z.B. ein geniales Fußballtor ist nicht erhaben)
  • hat etwas majestätisches (z.B. eine Kaiserkrönung)
  • ist nicht an den Gegenstand, Materie gebunden
  • kann idealisiert sein, wie z.B. eine weiße Marmorfigur für das idealisierte Menschenbild steht.
  • braucht einen Beobachter
  • kann an ein Amt gebunden sein (z.B. den des Bundespräsidenten)
  • ist nicht vollständig mit den Sinnen erfassbar
  • wird von den Briten mit drei Buchstaben beschrieben: “Wow”
  • ist in der Einmaligkeit begründet.

Das Wort wird heute kaum noch gebraucht.
In der Dermatologie bedeutet “erhaben” einfach “erhöht” (z.B. ein Muttermal).
In vielen Zusammenhängen ist es durch das Wort “souverän” ersetzt worden. Z.B. wenn man über den Dingen schwebt oder sich nicht auf ein Niveau herablassen muss, weil es unter seiner Würde ist.

In der Antike, in der Poethik, wurde über das Erhabene philosophiert. Dort hat es etwas mit dem Aha-Effekt in der Poesie zu tun, etwas erlerntes.

Mendelssohn sagt, dass die Erhabenheit die Sinne und die Erkenntnis brauchen.
Kant sagt:

  • Die Erhabenheit kann auch erschrecken, das Schöne nicht.
  • Man ist nur Beobachter. Z.B. schaut man einem Schiffbruch zu (oder einer Tsunami-Welle oder einem Tornado).
  • Man ist innerlich zerissen (zwischen Faszination und Abscheu), hat ein Gefühl des Grausens oder Schwermut.

Kant 20 Jahre später:

  • Wir selber schieben der Situation die Erhabenheit unter.
  • “Schönheit”, “Geschmack”, “Erhabenheit”, “Moral”,… kann sprachlich übermittelt werden. Die Frage ist: Warum???
  • Weil diese “Dinge” in einem subjektiven Ort im Kopf, namens “Gemüt” aufbewahrt werden. (Ich persönlich vermute eher einen objektiven Ort irgendwo in der Transzendenz/Metaphysik, auf den alle Menschen Zugriff haben.)
  • Das Gemüt ist der Ort, in dem diese alten mythischen “Dinge” aufbewahrt werden, als Gefühlszustand.
  • Das Gemüt ist kein Sinnesorgan mit dem die Wahrheit erfahren werden kann, sondern dem Subjekt zugehörig und ein “Wahrhaftigkeitsorgan”.

Am Rande:
Die moderne Philosophie, in Anlehnung an die Neurowissenschaften, trennt heute nicht mehr zwischen Leib und Seele.

Spinoza: “Alles Erhabene ist ebenso schwierig wie selten.”

Advertisements

About greensniper

Ich bemühe mich die Welt zu verbessern. Mein Beitrag ist nicht groß, aber ich bin ein Legionär - und die bewirken das meiste.
This entry was posted in Uncategorized. Bookmark the permalink.

Leave a Reply

Fill in your details below or click an icon to log in:

WordPress.com Logo

You are commenting using your WordPress.com account. Log Out / Change )

Twitter picture

You are commenting using your Twitter account. Log Out / Change )

Facebook photo

You are commenting using your Facebook account. Log Out / Change )

Google+ photo

You are commenting using your Google+ account. Log Out / Change )

Connecting to %s