Fingierter Dialog mit einem Kreationisten

Folgender Chat-Dialog ist frei erfunden, basiert aber auf zwei Youtube-Videos (“Das Alter der Erde” und “Garten Eden“, je ca. 120 Minuten) von Kent Hovind:

Achim: “Hallo Kent!”

Kent: “Hallo Achim!”

Achim: “Kannst du mir was über die Wahrheit sagen?”

Kent: “Ja. Die Bibel ist die Wahrheit.”

Achim: “Na ja, das hat Benedikt gerade auch gesagt. Aber das glaube ich nicht ganz. Immerhin gibt es einige Widersprüche in der Bibel.”

Kent: “Nenn mir welche.”

Achim: “Ich habe da eine ganze Webseite von entdeckt. Schau mal hier: http://www.bibelzitate.de/wsidb.html. Hier mal ein willkürliches Beispiel:
Achim: “In (Johannes 19,17) steht ‘… und er trug sein Kreuz und ging hinaus zur Stätte, die da heißt Schädelstätte, auf Hebräisch Golgatha.’ ”
Achim: ” Und in Matthäus 27,31-32 steht: ‘Und als sie ihn verspottet hatten, zogen sie ihm den Mantel aus und zogen ihm seine Kleider an und führten ihn ab, um ihn zu kreuzigen. Und als sie hinausgingen, fanden sie einen Menschen aus Kyrene mit Namen Simon, den zwangen sie, dass er ihm sein Kreuz trug.’ ”
Achim: “Hat Jesus nun sein Kreuz selber getragen oder war es Simon aus Kyrene?”

Kent: “Ich vermute mal sowohl als auch. Den ersten Weg hat er es selber getragen, danach hat ihm Simon geholfen.”
Kent: “Es gibt viele Widersprüche. Wir kennen nicht immer die Wirklichkeit. Aber die Bibel erzählt die Wahrheit.”

Achim: “Was macht dich da so sicher?”

Kent: “Viele Prophezeiungen aus der Bibel sind erfüllt worden. Jesu Geburt und Tot wurde schon Jahrhunderte im vorraus angekündigt. Das Ende der Welt wurde angekündigt. Und schau dir doch mal das Waffenarsenal an, welches wir haben. Wenn jemand auf den roten Knopf drückt, passiert das, was in der Offenbarung geschrieben steht.”

Achim: “Das mit der Prophetie ist so eine Sache. Wie schnell ist mal ein Schriftstück dazugefügt worden, was angeblich uralt ist und das Geschehen hat kommen sehen?”
Achim: “Außerdem ist ein religiöses Volk bestrebt, dass diese Prophezeiungen auch eintreten.”

Kent: “Oder es hat tatsächlich so statt gefunden.”
Kent: “Die Bibel hat viele Antworten auf ansonsten ungelöste Fragen.”
Kent: “Hast du dir schon mal überlegt, wo die ganze Artenvielfalt her kommt?”

Achim: “o.k. auf in die Schlacht. Du willst jetzt auf die Evolutionstheorie hinaus. Ich mach’s kurz: Dank der Sonnenenergie auf der einen Seite und der Kälte des Weltraums auf der anderen Seite leben wir in einem Bereich, in dem Energieaufnehmende (endotherme) Prozesse stattfinden dürfen. Es widerspricht also nicht dem zweiten Hauptsatz der Thermodynamik, wenn einfache Strukturen komplexer werden. Von ganz allein. Es bedarf nur vieler verschiedener Systeme, die sich permanent in die Quere kommen um so Chaos aber auch Ordnung zu schaffen. Und diese Systeme (Sonne, Materie, Wind, Wasser, Gezeiten, Strömungen, Wetter, Erbeben, Vulkane, Kometen, …) gab es hier seit Anfang an. Da kann alles entstehen. Auch Leben wie wir es kennen.”

Kent: “Das ist deine These. Meine ist viel einfacher und meines Erachtens auch einleuchtender, weil so etwas wunderbares und kompliziertes wie der Mensch nicht von alleine entstehen kann: Gott hat ihn geschaffen.”

Achim: “Von mir aus hat er das, indem er hier und da mal nach half.”

Kent: “Nein. Die Bibel sagt, die ersten Menschen seien vor ca. 6000 Jahren von Gott durch Matsch und seinem ‘Atem’ (Odem) entstanden.”

Achim: “Was macht dich da so sicher?”

Kent: “Na weil eure Theorien viele Haken haben. Z.B. Die Entstehung der Kohle. Wir haben Beweise, dass menschliche Gegenstände in Kohleflözen gefunden wurden (z.B. http://tatjana.ingold.ch/index.php?id=evolutionsraetsel). Außerdem gibt es senkrechte Wurzeln und aufrecht stehende Bäume zwischen den Flözen. Die könnt ihr mit euren Theorien nicht erklären.”

Achim: “ähm”.

Kent: “Warum haben Uranus und Pluto eine andere Drehachse als die anderen Planeten? Nach dem Drehimpulserhaltungsgesetz müssten die Achsen bei allen Planeten in die gleiche Richung zeigen.”

Kent: “Warum drehen sich manche Galaxien (z.B. NGC 4622 ) falsch herum?”

Kent: “Weil Gott uns einen Strich durch unsere Theorien machen will und sich selber darin zeigen möchte.”

Kent: “Der Mond bewegt sich pro Jahr um 4 cm von der Erde weg. Im Umkehrschluss müsste er vor 1,5 Milliarden Jahren auf der Erde gewesen sein. Ebbe und Flut sind erst seit wenigen Jahrtausenden erträglich.”

Kent: “Wieso verlangsamt sich die Rotation der Erde so, dass sie, im Umkehrschluss vor ca. 1-2 Milliarden Jahren so schnell sein müsste, dass sie auseinander geflogen währe ?”
Kent: “Weil Gott die Erde erst vor ca. 6000 Jahren erschaffen hat”.
Kent: “Und damit ist die Bibel wortwörtlich zu nehmen.”
Kent: “Ihr lernt vieles in der Schule und nehmt das als Wahrheit mit der Muttermilch auf. Und weil alle um euch herum das ständig wiederholen, Erwachsene wie Kinder, ist es eure Wahrheit.”
Kent: “Adolf Hitler hat eins gesagt: ‘Wenn man etwas nur lange genug wiederholt, glauben es euch die Leute'”
Kent: “Aber Ihr liegt falsch!”

Achim: “Moment!”
Achim: “Ich muss mal was recherchieren.”
Achim: “Es gibt Bohrkerne im arktischen Eis mit einer art Jahresringen. Die bezeugen, dass das Eis dort Millionen von Jahren alt ist.”

Kent: “Das sind keine Jahresringe, sondern ‘Schmelz- und Gefrier’-Ringe. Die können zu hunderten in einem Jahr entstehen.

Achim: “Aber die C14-Methode zeigt doch eindeutig, dass es Lebewesen älter als 10000 Jahre gibt”

Kent: “Die C14-Methode ist so ungenau, dass man bei ein und demselben Tier Tausende von Jahre daneben geschätzt hat.

Achim: “Hmm”
Achim: “Zu den Drehimpulsen der Planeten vermute ich mal, dass da was von außen gestört hat.”
Achim: “Gleiches gilt für die Galaxien. Vielleicht hat das auch was mit der Blickrichtung zu tun. Weiß nicht.”
Achim: “Der Mond flog sicherlich nicht immer mit der gleichen Geschwindigkeit. Das rechne ich jetzt aber auch nicht nach.”
Achim: “Wikipedia sagt, was anderes als du zu der Dauer der Tage im Altertum:
‘Die Gegenkraft auf die Flutberge führt zu einem
Drehmoment, das die Erdrotation bremst. Dadurch verlängern sich die Tage jedes Jahr um etwa 16 Mikrosekunden. Vor 500 Millionen Jahren dauerte ein Erdentag nur etwa 21 Stunden’
Achim: “Kent, mir kommt ein Verdacht auf.”
Achim: “Das ist jetzt nichts gegen dich persönlich, aber ich befürchte, du hast ein stark verzerrtes Bild der Wirklichkeit.”

Kent: “Warum?”

Achim: “Weil du dich krampfhaft an der Bibel festhälst. Und alles was nicht dazu passt wird passend gemacht.”
Achim: “Du stöberst in unseren Hypothesen herum, die nicht ganz zu deinen passen (Kohleentstehung, Planetenenstehung,…).
Achim: “Bei einigen findest du Haare in der Suppe. Und dann zerlegst du genüßlich diese These. Als Gegenthese lieferst du ‘Hat Gott gemacht’.”

Kent: “Hat er ja auch. Beweise mir das Gegenteil.”

Achim: “Das ist Rethorik! Kann ich auch: ‘Realität ist nur Einbildung! Wenn du mir nicht glaubst, beweise mir das Gegenteil’
Achim: “Die Wissenschaft gibt sich eine menge Mühe Wahrheiten an das Tageslicht zu bringen.”
Achim: “Ich gebe dir recht, wenn du sagst, dass nicht alles wirklich wahr ist und wir sollten aufpassen, dass wir nicht alles glauben, was uns in der Schule erzählt wird.”
Achim: “Aber den gleichen Maßstab muss ich auch an deine Thesen anlegen.”
Achim: “Da sind mir einfach noch zu viele Ungereimtheiten drin. Ich habe Angst sie jetzt hier aufzulisten, weil du dann schon wieder mit einem Argument aus deiner gut gepflegten Schublade kommst (z.B. wo kommt das Licht der Sterne her, wenn es diese erst seit 6000 Jahre gibt,…).”
Achim: “Wir sollten das Argumentieren jetzt hier sein lassen – bringt nichts – ist nur eine Materialschlacht.”
Achim: “Dennoch sehe ich eine große Gefahr in dem was ihr Kreationisten macht.”

Kent: “Welche?”

Achim: “Ihr stellt die Wissenschaft gegen den Glauben an Gott. Für euch gibt es nur Entweder Oder. Ihr treibt einen Keil in die Herzen von aufrecht gläubigen Menschen. Ihr verknüpft das Leben und Wirken von Jesus mit der Aussage, dass die Welt 6000 Jahre alt ist.”

Kent: “Jesus bezieht sich auf zahlreiche Stellen des alten Testaments. Wenn die nicht stimmen, dann ist Jesus auch nicht authentisch.”

Achim: “Genau das meine ich. Kann es nicht sein, dass Gott in der Bibel, damals wie heute, zwischen den Zeilen zu uns spricht? Dass seine Geschichten zwar wahr sind, aber nicht immer im wortwörtlichen Sinne, sondern in einem tieferen?”

Kent: “Damit untergräbst du die Autorität der Bibel. Du degradierst sie zu einem Märchenbuch.”

Achim: “Nein, das meine ich nicht. Ich denke einfach, dass Gott zu den Menschen gesprochen hat, die sie aufgeschrieben haben und ich denke, dass Gott zu den Menschen spricht, die sie lesen.”

Kent: “Ich sehe das anders als du.”

Achim: “Ich auch.”

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