Eine kleine Geschichte zum Wirtschaftskreislauf auf einer Pirateninsel

Es war einmal ein Piratenschiff, das auf ein Riff gelaufen ist. Der Kapitän sagte zu seinen 20 Männern. “Jungs, in wenigen Minuten wird unser Schiff untergehen. Jeder nehme  sein wichtigsten Gegenstand mit. Wir werden uns auf diese Insel da hinten retten.”
Also nahm der Angler seine Angel mit, der Schreiner seine Säge,  der Schneider Nadel und Faden, u.s.w. und der Kapitän seine Schatztruhe mit den 2000 Goldmünzen mit.
Auf der Insel angekommen, rannte der Kapitän so schnell er konnte in den kleinen Wald und versteckte sich oben am Berg.
Die anderen Priaten machten sich daran, es sich einzurichten. Der Schreiner baute sich eine Hütte, der Angler ging angeln und der Rest versuchte sich von Kokusnüssen und Krebsen zu ernähren.
Der Angler brachte zehn Fische pro Tag an Land. Da jeder einen Fisch brauchte um satt zu werden darbte jeder alle zwei Tage des Hungers.
Außerdem war der Fischer unzufrieden, weil er arbeitete und die anderen faul am Strand lagen. Überhaupt war alles ziemlich chaotisch, weil der Schneider 5 Fische für seine Jacke verlangte (schließlich hat er 5 Tage daran gearbeitet), er aber nur einen pro Tag essen konnte. Und der Schreiner wollte 200 Fische pro Hütte haben.
Also machten sie sich eines Tages auf und gingen zum Berg, wo sie den Kapitän vermuteten.
Dieser war bereit seinen Schatz zu verteilen. Aber er stellte eine Bedingung. Er sagte: “Ich werde jedem von euch 100 Taler leihen. Aber ich möchte 104 Taler am Monatsende zurück haben.”
“Aber dass geht doch gar nicht!” erwiederten sie. Der Kapitän sagte: “Das sind meine Bedingungen. Lasst euch was einfallen. Führt z.B. Schuldenlisten.”
Sie nahmen das Geld an.
Als sie wieder am Strand waren sagte der Fischer zum Schreiner: “Baue mir ein Boot, damit ich mehr Fische fangen kann.”
Der Schreiner entgegnete. “Das Kostet 200 Taler.” Der Fischer gab ihm seine 100 und versprach dem Schreiner ihm im nächsten Monat die anderen 100 plus 3 Taler Zinsen zu geben.
Der Schreiner beschäftigte dann ein paar Leute, denen er jeweils einen Taler pro Tag gab. Davon kauften sie sich einen Fisch beim Angler. Die anderen Piraten bekamen nun gar keinen Fisch mehr, bis das Boot fertig war.
Dann aber konnte der Fischer mit seinem Boot bis an das Riff fahren und nun für jeden einen Fisch pro Tag erwirtschaften.
Am Monatsende gaben alle die 4 Taler Zinsen an den Kapitän. Nur der Schreiner bezahlte seine Schulden komplett.
Im nächsten Monat bezahlte auch der Fischer seine Schulden komplett an den Kapitän und den Schreiner zurück.
Aber einige beschwerten sich beim Kapitän, da sie sich ausgenutzt fühlten. Der Kapitän antwortete ihnen: “Geht arbeiten und seid fleißig, dann kommt ihr auch zu Geld.”
Einer unter Ihnen war Künstler. Er hatte zwar sein Geld mittlerweile fast komplett  ausgegeben, aber er war ein gewiefter Taktiker. Er hatte eine großen Holzfigur geschnitzt, die er nun dem Kapitän schenkte.
Nun schnitzte er weitere kleine Figuren und erzählte dem Volk, wie wichtig diese Figur ist und dass jeder so eine haben müsse…
Ein weiterer Pirat lieh sich Geld beim Fischer für 3 Taler Zinsen im Monat und baute von dem Geld einen Schnapsbrenner.
Ein anderer ließ sich auch ein Fischerboot bauen, so das der Fischpreis sich auf einen halben Taler halbierte.
Alle Piraten waren nun beschäftigt. Sie arbeiteten nun bei dem Künstler, dem Hüttenbauer, dem Fischer und dem Schnapsbrenner.
Sie verdienten am Tag einen Taler, den sie entweder für Fisch, Holzfiguren, Schnaps oder eine Hütte ausgaben. Aber sie konnten das Geld nicht vermehren. Am Tagesende war der Taler ausgegeben. Das Geld wanderte zwischen ihnen hin und her, wurde aber wegen der Zinsen an den Kapitän weniger.
So kam es, dass nach wenigen Monaten die ersten Piraten dann pleite waren. Sie gingen zum Kapitän und fragten nach weiterem Geld. Er gab ihnen weitere Taler zum gleichen Zinssatz und sagte, dass er die alten Schulden nicht streicht, sondern nur anschreibt und das er sein Geld mit Zinsen eines Tages wieder haben wolle.
Der Schreiner hatte mittlerweile 1000 Taler verdient (die er natürlich nicht bar in der Hand hatte), die er für 30 Taler Zinsen pro Monat verlieh. Damit verdiente er einen Taler pro Tag und setzte sich zur Ruhe.
Auch dem ersten Fischer und dem redegwandtem Künstler gingen es gut. Der Schapsbrenner und der zweite Fischer hielten sich so gerade über Wasser (sie waren zu spät auf den Finanzzug aufgesprungen) und der Rest des Volkes verschuldete sich immer mehr. Die meisten hatten nach kurzer Zeit mehrere hundert Taler Schulden, die auf Zetteln aufgeschrieben wurden.
Das Geld wurde überall knapp und die Geldgeber wollten ab und zu auch das Geld zurück haben. Es gab Schlägereien wegen ausstehender Schulden.
Die Menschen gaben ihr Geld nur noch für das nötigste aus und arbeiteten noch mehr.
Um diesen Zustand zu ändern gingen die 3 Reichen aus dem Dorf zum Kapitän.
Doch der Kapitän sagte: “Natürlich könnten wir die Schulden streichen und noch einmal von vorne anfangen. Aber wollt Ihr wirklich diese Situation ändern? Die Menschen sind eure Sklaven und tun alles für’s Geld. Zeigt den Menschen die Vorteile unseres Systems, dass es nun Fische genügend für alle gibt. Auch die Zinsen sind nötig, da man dem Pack nicht trauen kann. Erzählt ihnen, dass sie ihr durch die Effizienzsteigerungen die Zinsen wieder rein bekommen.”
Dann gab der Kapitän noch einen Tipp:”Lasst euch Waffen bauen. Das sorgt für Beschäftigung und Ihr könnt euch verteidigen.”

Die Geschichte könnte nun für alle Zeiten so weiter gehen, aber es kam noch schlimmer:
Eines Tages war das Volk so unzufrieden, dass es mit einem Generalstreik und Krieg drohte. Da hielt der Kapitän eine ergreifende Rede und sagte am Schluss: “Wir machen eine Währungsreform: Heute werden alle Schulden um den Faktor zehn reduziert.”
Dies hatte zur Folge, dass nun auch der Schreiner, der Künstler und der erste Fischer nur noch ein Zehntel im Monat an Zinsen bekamen, so dass auch sie wieder arbeiten mussten.  Nur der Kapitän als einziger, der so reich war, dass ihm dieser Kassensturz nichts ausmachte, wurde realtiv zu den anderen immer reicher und reicher…
Und wenn sie nicht gestorben wären (aber nur weil nach kurzer Zeit die Insel abgeholzt und die Fische wegefischt waren), würden sie noch heute dieses System aufrecht erhalten.

Das Ganze gibt es auch als Comic:

https://greensniper.wordpress.com/die-pirateninsel/

 

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One Response to Eine kleine Geschichte zum Wirtschaftskreislauf auf einer Pirateninsel

  1. greensniper says:

    Nach langem Nachdenken glaube ich den Fehler in dieser Geschichte gefunden zu haben:
    Der Zinssatz setzt sich zusammen aus: Innovation (Verbesserung der Werkzeuge), Gebühren für die Bank und Verlustrisiko. Zinsen führen nicht zur Inflation, weil sie durch durch Pleiten wieder aufgefressen werden.

    Weitere Finanzmythen sind hier aufgelistet: https://greensniper.wordpress.com/personliche-buchzusammenfassung-ulrike-herrmann-der-sieg-des-kapitals/

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